Full text : Die Statistik der Pendelwanderung

Gesamtzahl der in einer bestimmten Stadt oder im einem bestimmten
Bezirke wohnenden und arbeitenden Pendler und dabei im besonderen
auch die Wanderung über die Grenzen der Bundesstaaten
 hinweg, denn bei der Vorbereitung der Volkszählung hatten sich
die statistischen Zentralstellen der Bundesstaaten verpflichtet, Abschriften
 von Zählkarten bezw. Haushaltungslisten derjenigen Personen, die
in einem anderen Heimatstaate arbeiteten bezw. wohnten, untereinander
auszutauschen.
Die Ergebnisse dieser Auszählungen offenbarten einen überraschenden
 Umfang der Pendelwanderung. In Württemberg wurden rund 60 000
Pendler ermittelt, in den 22 preussischen Grosstädten und in den oben
genannten Industriebezirken 278 000 und in Hamburg (ohne innerörtliche
Wanderung) rund 30 000.
Diese Ergebnisse bestimmten Württemberg und Hamburg, die Pendlerstatistik
 bei der Volkszählung von 1910 zu wiederholen. Von Reichs
wegen wurde mit Rücksicht auf dringende andere Fragestellungen bei
dieser Zählung davon abgesehen, die Befragung der Bevölkerung nach
dem Wohn- und Arbeitsort vorzuschreiben oder zu empfehlen. Dies
brachte für Württemberg und Hamburg den Nachteil, dass der Pendlerverkehr
 über die Landesgrenze hinweg nur soweit erfasst werden konnte
als die Pendler auf württembergischem bezw. hamburgischem Gebiet
selbst noch wohnten, dagegen musste auf die in Württemberg bezw.
Hamburg arbeitenden, aber in einem benachbarten Bundesstaat wohnenden
 Personen verzichtet werden.
Die Bearbeitung fand in beiden Bundesstaaten nach ähnlichen Gesichtspunkten
 statt wie 1900, d.h. Württemberg zählte wiederum nach
Wohn- und Arbeitsorten aus !) und Hamburg berücksichtigte neuerdings
aingehend die Pendelbewegung zwischen den verschiedenen Stadtteilen.
Da indes bei Hamburg das Pendeln über die nahe preussische Grenze
einen grossen Umfang hat, in Preussen aber die beiden Pendlerfragen
bei der Volkszählung von 1910 nicht gestellt worden waren, musste die
Bearbeitung in der Hauptsache einseitig auf der hamburgischen Wohnbevölkerung
 aufgebaut werden. ?)
Die neuen Ergebnisse liessen eine starke Zunahme der Pendelwarnderung
 erkennen; in Württemberg betrug die Zahl der Pendler nach der
Wohnort-Auszählung am 1. Dezember 1910: 88 000. ;
Auch die Schweiz benützte die Volkszählung vom 1. Dezember
190 zu einer ersten Pendlerstatistik. Die Spezialfrage lautete hier:

1) Vgl. Meine Arbeit, Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910. Württ, Jahr-)Jücher
 für Statistik und Landeskunde 1912 S. 175 ff.
2) Vgl. Statistik des Hamburgischen Staates, Heft XXX, Wohnort und Arjeitsstätte
 der erwerbstätigen hamburgischen Wohnbevölkerung nach der Volkszählung
 vom 1. Dezember 1910.
            
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