Object: Finanzwissenschaft

XVI. Abschnitt. Ausgaben für Verzinsung u. Tilgung d. Staatsschulden. 155 
duktiver Investitutionen, Eisenbahnbauten usw. aufgenommen worden. 
Eine Unterscheidung dieser Fälle hätte wohl Berechtigung. Und 
doch können wir hiervon absehen aus dem einfachen Grunde, weil 
die zur Deckung der Kosten des Weltkrieges eingegangenen 
Schulden so ganz exorbitanter Größe sind, daß demgegenüber der 
Umstand vernachlässigt werden kann, daß einzelne ältere Schulden 
zu produktiven oder kulturellen Zwecken aufgenommen wurden. 
In den kolossalen Schulden — von denen an anderer Stelle ein- 
gehend gesprochen werden wird — und in der erdrückenden, die 
übrigen Staatszwecke verkümmernden Zinsenlast, die heute der 
Staatshaushalt tragen muß, spiegelt sich die Wirkung des diaboli- 
schen Weltkrieges. 
Die Ausgaben für die Staatsschuld nehmen in den Großstaaten 
gegenwärtig 50—60 Prozent der gesamten Ausgaben in Anspruch. 
Rechnen wir hierzu die Ausgaben für Heer, Flotte und Luftwehr- 
macht, so sehen wir, daß in einzelnen Staaten kaum mehr als 20— 
30 Prozent zur Erfüllung der eigentlichen Staatsaufgaben übrig 
bleibt. Und wenn wir noch die Kosten zur Erhebung der Staats- 
einnahmen in Betracht ziehen, ist es fast überraschend, daß doch 
etwas für die Erfüllung der Staatszwecke übrig bleibt beziehungs- 
weise hierfür wieder Schulden gemacht werden müssen. Der 
Schuldendienst figuriert in den Staatsbudgets der letzten Jahre 
(1924—26) mit folgenden Summen: Großbritannien 350 Millionen 
Pfund Sterling, Frankreich 17804,5 Millionen Frank, Deutschland 
144,8 Millionen Goldmark, Tschechoslowakei 2096,5 Millionen 
tschechische Kronen, Ungarn 79,3 Millionen Goldkronen. Die Be- 
lastung ist namentlich in Frankreich außerordentlich hoch, sie be- 
trägt nach dem Annuaire gEneral (1926) 56,1 Prozent der Aus- 
gaben.
	        
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