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7. Ernst Wilhelm Arnoldi.
Ungnade bezeigen, ohne ihn auch nur zu hören, — zwei Jahre, nachdem Cotta in
Berlin den Handelsvertrag vermittelt hatte! Da schreibt Cotta einen Brief voll stt»
licher Bornehmheit direkt an den König.
Wir wollen nur den Eingang und den Schluß desselben abdrucken: „Eure
Königliche Majestät', haben mich durch Freiherrn von der Tann wissen lassen, daß
Allerhöchstdieselbe mir Ihre Gnade entzogen hätte, weil das „Inland emes der
heftigsten Opvositionsblätter geworden fei. Ich bedaure dies von Herzen wegen
meiner, ich würde es aber noch weit mehr wegen Eurer Königlichen Maiestat be
dauern müssen, wenn diese Gesinnung fortbestehen sollte, da Allerhöchstdieselbe da
durch eine Ungerechtigkeit begehen würde. Denn was Eurer Königlichen Majestät am
»Inland" auch mißfallen mag, ich trage die Schuld nicht davon. Meine Unschuld
geht aufs deutlichste hervor aus meinem Schreiben an E. Majestät vom . . . Marz,
welches E. M. Minister des Innern vorgelegt zu haben versichert."
Cotta weist hierauf in längerer, schlagender Ausführung nach, daß das Blatt
lediglich die mit der Regierung vereinbarte Richtung eingehalten, und daß der
Zensor, der eine Abweichung von dem der Regierung genehmen Wege hätte rügen
müssen, nichts beanstandet habe. Dann schließt der Brief mit folgenden Worten:
„Kein Gedanke konnte mir kommen, daß ich mich würde zu rechtfertigen haben, da ich
ja alles beobachtet habe, was Allerhöchstdieselbe veranlaßte. Daß ich mir durch alle
meine Bemühungen, Anstrengungen und Opfer, die ich dem „Inland" seit ferner Be
gründung widmete, daß ich für all den Verdruß, den es mir zuzog, für alle die ge
täuschten Erwartungen — mir noch die Ungnade Eurer Königlichen Majestät saute
zugezogen haben, das konnte ich mir nicht vorstellen, ja das darf ich selbst mcht
glauben, wenn es gleich der Freiherr von der Tann auf Allerhöchsten Befehl aus
richtete. Ich darf es nicht glauben, weil ich fönst an Allerhöchst Ihrem gerechten
Sinn, an der ersten Regententugend und -Pflicht und an allem dem Irrewerden müßte,
was ich als das Ausgezeichnetste Ihres Charakters, als den stärksten Grundpfeiler
gegen alle Anfechtungen, als die sicherste Bürgschaft für alle, welche sich mrt Red
lichkeit Ihrem Dienste weihen, und als den unwandelbarsten Leitstern Ihrer Hand
lungen mit Mund und Herz aussprach. Nein! Allerhöchstdieselben können nn Irr
tum, aber Sie können nicht ungerecht sein. Sie werden Gerechtigkeit auch gegen mich
beachten, Sie werden mir selbst Genugtuung für die Unbill verschaffen."
Cotta, damals 67 Jahre alt, spricht fast noch wie Marqms Pofa. Ob er für
die bittere Eriahrung die er mit dem liberalen Kronprinzen und Anfangstoruge
gemacht, wirklich Genugtuung erhalten hat, ist aus den hinterlassenen Papieren mcht
zu ersehen. , . . _ ,,
Wir haben die obigen Stellen nur deshalb abgedruckt, um zu zeigen, wie Cotta
immer und überall ein Mann gewesen ist und vor Königsthronen sein Ehr- und
Selbstgefühl gewahrt hat.
7. Ernst Wilhelm Arnoldi.
Von Arwed Emminghaus.
Emminghaus, Ernst Wilhelm Arnoldi.
Kaufmanns. Weimar, Hermann Böhlau, 1878.
. öuU 362.
Leben und Schöpfungen eines deutschen
S. 346—349, S. 352—354, 6. 356 und
Arnoldi war von großem und schlankem Wüchse, regelmäßig und kräftig gebaut.
Sein Antlitz war edel und frei. Eine hohe, schön gewölbte Stirn, eme fern gebogene
Nase, ein durchaus edel geformter Mund mit wenig hervortretenden Lippen, die