fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Blutfeohle 
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Bockshornsamen 
Plattwürmer, die im Wasser, hauptsächlich in 
Teichen oder Sümpfen, leben. Für den medi 
zinischen Gebrauch kommen in Deutschland nur 
zwei Arten, der deutsche B. (Hirudo seu San- 
guisuga medicinalis) und der ungarische B. (H. 
officinalis) in Betracht. Beide sind io—20 cm 
lang und zeigen 95 deutliche Ringel, von denen 
die vier vordersten einen löffelförmigen Körper 
mit der dreistrahligen Mundöffnung am Grunde 
bilden. Dahinter befinden sich drei große, halb 
linsenförmige Kieferplatten, die 80—90 feine 
Zähnchen tragen. Beim Saugen mit der eine fest 
anhaftende Scheibe bildenden Mundhöhle ver 
ursachen die Kiefer eine dreischenklige Wunde, 
aus der das Blut in die entferntesten Teile de^ 
Magens geleitet wird. Der deutsche, als,.graue 
Sorte“ bezeichnete B., der sich im nördlichen 
und mittleren Europa findet, fühlt sich rauh an 
und zeigt am Rücken auf meist grünem Grunde 
sechs rote, schwarz gefleckte Längsbinden, auf 
der gelbgrünen Bauchfläche schwarze Flecken. 
Der im südöstlichen und südlichen Europa hei 
mische ungarische B., „grüne Sorte“, fühlt 
sich glatt an und zeigt auf dem Rücken sechs 
breitere gelbe, durch schwarze Punkte oder 
Flecke unterbrochene Längsbinden, hingegen 
eine nicht gefleckte, schwarz eingefaßte Bauch 
fläche. — Die an Stelle der echten B. bisweilen 
angebotenen Pferdeegel, die wegen ihrer 
stumpferen oder fehlenden Zähne unverwend 
bar sind, können an dem Fehlen der buntfarbi 
gen Längsstreifen leicht erkannt werden. — Der 
in Nordafrika vorkommende Dragoneregel 
(Hirudo interrupta) findet in Frankreich, Eng 
land und Südamerika, aber nicht in Deutschland 
medizinische Anwendung. — Die B. bilden einen 
bedeutenden Handelsartikel, obwohl ihr Ver 
brauch wesentlich abgenommen hat, in Frank 
reich z. B. von 100 Millionen vor 60 Jahren auf 
16 Millionen. In Deutschland beträgt er jährlich 
etwa 25, in England 16 Millionen, Die deut 
sche Ausfuhr von Hamburg beläuft sich um 
30 Millionen Stück im Jahre. —• Kleine Mengen 
B. bewahrt man am besten in weithalsigen Glas 
gefäßen, die zu l /s mit zeitweilig zu erneuern 
dem Flußwasser gefüllt und mit Leinwand über- 
bunden werden, größere Mengen in Holzfässern, 
die durch ein vielfach durchlöchertes Brett in 
zwei Abteilungen geschieden sind, von denen die 
eine nur Wasser, die andere außerdem etwas 
Lehm und Torf oder Rasen enthält. Die Ver 
sendung der B. erfolgt meist in leinenen Beu 
teln, die, von stark angefeuchtetem Moose um 
geben, in einer mit feinen Löchern versehenen 
Holzkiste liegen. 
Blutkohle, hergestellt durch Glühen eines Ge 
misches aus 8 Teilen Blut und 1 Teil Pottasche 
und Auskochen des gepulverten Rückstandes 
mit Wasser und Salzsäure, findet wie Tierkohle 
zum Klären von Flüssigkeiten Anwendung. 
Blutlaugensalz. 1. Gelbes Blutlaugensalz 
(Einfach Zyaneisenkalium, Kaliurrieisen- 
zyanür, Ferrozyankalium, gelbes blau 
saures Kalium, lat. Kalium ferrocyanatum, 
Kalium borussicurn flavum, frz. Ferrocyanate 
de potasse, engl. Yellow prussiate of potash) 
wurde früher ausschließlich durch Schmelzen 
von Pottasche mit stickstoffhaltigen tierischen 
Abfällen (Blut, Horn, Haut, Haare, Leder, Lum 
pen, Fleisch usw.) unter Zusatz von Eisen dar 
gestellt. Hierbei entstand Zyankaliüm und Schwe 
feleisen, welche sich beim Auslaugen der Schmelze 
mit Wasser zu Ferrozyankalium und Schwefel- 
kalium umsetzen. Neuerdings dient die ge 
brauchte Laminsche Masse der Gasfabriken, 
welche Beriinerblau enthält, als Ausgangsmate 
rial, indem durch Erhitzen mit Kalk zuerst 
Ferrozyankalzium erzeugt und letzteres nach 
dem Auslaugen mit Chlorkalium und Kalium 
karbonat in B. übergeführt wird. Das Ferro 
zyankalium kristallisiert in großen, gelben, durch 
scheinenden Oktaedern, die ziemlich weich und 
zähe sind und sich daher schwer pulvern lassen. 
Es ist in Wasser löslich, in Alkohol unlöslich 
und entwickelt mit verdünnten Säuren die gif 
tige Blausäure, während es selbst ungiftig ist. 
Außer in .der Färberei verwendet man das gelbe 
B. zur Darstellung von Zyanpräparaten, zum 
Härten von Eisen und in der analytischen Che 
mie. Ein Gehalt an Kaliumsulfat ist als Ver 
unreinigung aufzufassen, während eigentliche 
Verfälschungen kaum Vorkommen. — 2. Das 
rote B 1 u 11 au g en s al z (Anderthalbzyan 
eisenkalium, Kaliumeisenzyanid, Fe rrid- 
zyankalium, rotes blausaures Kali, Gme- 
linsches Salz, lat. Kalium ferricyanatum, frz. 
Sesquiferrocyanate de potasse, engl. Sesquiferro- 
cyanate of potash) bildet dunkelrubinrote, glän 
zende, durchsichtige Kristalle, die viel härter 
sind als diejenigen des gelben B. Man bereitet 
es durch Einleiten von Chlorgas in eine ver 
dünnte Lösung von gelbem B. und Kristallisieren 
lassen der Lösung, ferner durch Behandlung 
des trockenen, gepulverten, gelben B. in ge 
schlossenen Kammern mit Chlorgas und endlich 
durch einfache Elektrolyse des gelben B. Es fin 
det Anwendung als chemisches Reagens, in der 
Färberei und Technik sowie in Verbindung mit 
Eisenammonzitrat zur Herstellung von Licht 
pausen. 
Blutstein (Roter Glaskopf, lat. Lapis hae- 
matites, Lapis sanguineus, frz. Hematite, engl. 
Blood-stone, Red hematite), eine harte und 
dichte, faserig-kristallinische Varietät des Rot 
eisensteins (natürliches Eisenoxyd), besitzt 
eine stablgraue Farbe und Glanz, gibt aber ein 
dunkelrotes Pulver. Die ganzen Stücke werden 
von Steinhauern als Schreibstift auf Stein ver 
wendet, das Pulver dient als Polierrot. 
Bockbier (frz. Bock), eine besonders stark ein 
gebraute Biersorte mit etwa 5 o/ 0 Alkohol und 15 
bis 20 0/0 Stammwürze, welche im Frühling 
(Märzenbier) zum Ausschank kommt. 
Bocksbeutel, die beste Sorte des Würzburger 
Steinweins, welche in eigentümlich gestalteten 
kurzhalsigen, stark bauchigen Flaschen versen 
det wird. 
Bockshornsamen (Foenugräkum, Griechi 
sch er Heuklee samen, Siebeng e.zeitsamen, 
Hornkleesamen, lat. Semen foenugraeci, frz. 
Semence de fenugrec, engl. Fenugreek), die 
Samen einer krautartigen Leguminose, Tri- 
gonella Foenum graecum, die ihre Heimat 
in Kleinasien und dem südlichen Europa hat, in 
manchen Gegenden Deutschlands und'in Polen 
angebaut wird. Die bräunlichgelben, sehr har 
ten Samen sind ungleich vierseitig, glatt und 
oben und unten abgestutzt. Sic enthalten 6°/o
	        
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