Kapitel III. Der Marxismus.
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b) Die Entwicklung des Pauperismus, der selbst wieder sich
aus diesen Krisen und der Arbeitslosigkeit ergibt. Die kapitalistische
Klasse „ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven
die Existenz selbst innerhalb ihrer Sklaverei zu sichern, weil sie
gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn
ernähren muß, anstatt von ihm ernährt zu werden“ 1 ).
c) Die Vermehrung der Aktiengesellschaften. Hierdurch
verflüchtigt sich das individuelle Eigentum in Papierfetzen; an diesem
Stück Papier, an der Aktie, klebt der ßechtstitel, und nicht einmal
der Name des Besitzers kommt in Betracht. In Wirklichkeit ist das
Stück Papier ohne Namen der Besitzer. Der Profit erscheint in
seiner ganzen Nacktheit, als Dividende, die von jeder Arbeit unab
hängig ist, als ein Abzug vom Arbeitsertrag des Arbeiters. Die
Unternehmerfunktion ist hier von jedem Charakter einer Leitung,
einer Initiative oder einer persönlichen Arbeit entkleidet, der früher
dazu diente, sie mit einem Mäntelchen zu umgeben und sie in den
individuellen Unternehmungen zu rechtfertigen; sie löst sich in zwei
Funktionen auf: — auf der einen Seite der parasitische Großaktionär,
— auf der anderen Seite der besoldete Direktor.
An dem Tage, an dem alle Unternehmungen eines Landes die Form
von Aktiengesellschaften angenommen haben werden, oder noch besser,
zu Trusts geworden sind, die die Aktiengesellschaft am vollkommensten
zum Ausdruck bringen, sind sie zur sozialistischen Expropriation reif,
da es dann genügen wird, mit einem einfachen Federstrich alle
Rechtstitel, die auf die Namen der Aktionäre lauteten, auf den der
Nation zu übertragen. Man wird sogar nicht einmal bemerken, daß
irgend etwas in dem wirtschaftlichen Mechanismus verändert ist.
So wird also die Expropriation der bürgerlichen Klasse viel
leichter vor sich gehen als vor einigen Jahrhunderten die Expro
priation der Handwerker durch die Kapitalisten! Zur Durchführung
der Expropriation von gestern war „die Expropriation der großen
Masse durch einige Usurpatoren“ erforderlich, während es für die von
morgen dank dem Gesetz der Konzentration genügen wird, „die Ex
propriation weniger Usurpatoren durch die*große Masse“ auszuführen.
Was ist nun zum Schluß — wir wollen nicht sagen, der Zweck
oder das Ziel, da der Marxismus sich weigert ein solches anzugeben —
aber zum wenigsten die Voraussage des marxistischen Programms?
Gewöhnlich sagt man: die Abschaffung des Privateigentums, und
(Ganz wie die Himmelskörper, sobald sie durch ersten Stoß in eine bestimmte
Bewegung geschleudert sind, dieselbe Bewegung stets reproduzieren, so die gesell
schaftliche Produktion, sobald sie einmal in jene Bewegung wechselnder Expansion
und Kontraktion geworfen ist“ (Kapital, S. 619, I. Aufl.).
*) Kommunistisches Manifest, S. 18.
Gide und Eist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehraieinungen. 34