Auf der anderen Seite sehen wir, wie die Versorgung mit auslän-
dischen Eisenerzen in der Nachkriegszeit auf rein kommerzieller Grund-
Jage vor sich geht, die sich fast gar nicht auf eigene Produktion im
Ausland stützen kann. Daß auch hier alsbald eine Wandlung einsetzt,
jet dringendes Erfordernis. Die Möglichkeiten sind vorhanden, aber es
fehlt an Kapital und auch noch an Vertrauen zur Anlage großer Mittel
in ausländischen, vielfach früher feindlichen Ländern. Diese Schwie-
rigkeiten bedürfen gleichfalls einer Abmilderung durch die Regierung.
Die Deckung des Auslandserzbedarfes durch langfristige Verträge
ist in dem Vorkriegsausmaß keineswegs mehr vorhanden, die Hütten
leben sozusagen von der Hand in den Mund. Wo langfristige Deckung
noch vorhanden ist, nämlich in den Verträgen mit Schweden, wird das
Zukunftsbild getrübt dadurch, daß die Lieferantin eine, wenn auch nicht
formelle, so doch praktische monopolartige Kontrollmacht über den
schwedischen Erzbergbau ausübt und — was schlimmer ist — durch
die Sozialisierungsgefahr, die über den größten schwedischen Erzvor-
kommen schwebt, aus denen Deutschland. einen großen und nahezu un-
enthehrlichen Prozentsatz der wichtigen phosphorhaltigen Erze bezieht.
Sehr zu denken gibt die bekannte Tatsache, daß die erwähnte
schwedische Grubengesellschaft neuerdings durch Erwerb der Aktien-
majorität der größten nordafrikanischen Grubengesellschaft ihren Ein-
fluß auch im Mittelmeer ausgedehnt hat. Es braucht nicht näher be-
gründet zu werden, welche nachteiligen Folgen eine solche Tendenz auf
die deutschen Belange haben kann.
Führt man sich schließlich vor Augen, welchen Schwankungen und
Unsicherheiten der Tagesmarkt in Auslandserzen mit allen dazu-
gehörigen Faktoren, wie Seefrachtenmarkt, Binnenschiffahrtssätzen,
Valutenrisiken, ausgesetzt ist, so schließt sich der Kreis der Betrach-
tungen in einer Reihe ungünstiger und pessimistisch stimmender Bilder
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