Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 617 
brandenburgischen Herrschaft; und so hieß es mit den Truppen 
noch mehr an Subsidien gewinnen als bisher; und die ganze 
äußere Politik wurde in hohem Grade von diesem System 
abhängig: auf welchen europäischen Kriegsschauplätzen des 
ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts hätten 
märkische Truppen gefehlt? 
Mußte nun diese Lage aber nicht das eigentliche politische 
Schwergewicht Brandenburgs, die innere „Reputation“ des 
Staates schwer beeinträchtigen? Psychologisch nicht weiter 
verwunderlich, bei seinem Charakter doppelt begreiflich: 
Friedrich J. suchte der Situation durch eine noch stärkere Be— 
tonung des Staatsäußeren, des Splendeur gerecht zu werden 
— vielleicht ohne sich bewußt zu sein, daß er eben damit 
seinem Nachfolger ein schweres Programm strengster Sparsam⸗ 
keit und die umfassendste Aufgabe innerer Konsolidierung des 
Staates zuwies. 
So erklärt sich die Regierung Friedrich Wilhelms J. nach 
der Friedrichs: sie ist gewiß durch die Veranlagung des könig⸗ 
lichen Militärs und Nationalökonomen, nicht minder aber durch 
tiefste innere Bedürfnisse des brandenburgischen Staates bedingt; 
so erklärt sich auch, vor dieser Regierung, die Erwerbung der 
Königskrone durch Friedrich. 
Die Einzelheiten dieses Handels illustrieren die soeben 
geschilderte Lage. Vor allem mußte natürlich, um die Krone 
zu erlangen, ein gutes Verhältnis zu Österreich gewonnen 
werden. Und dem stand fast das ganze erste Jahrzehnt der 
Regierung Friedrichs hindurch eine an sich sehr einfache, aber 
bald ins Peinliche gezogene Angelegenheit im Wege, deren 
Anfänge wir schon kennen!, die Rückgabe des Kreises Schwiebus. 
Wir erinnern uns: Friedrich hatte als Kurprinz dem Kaiser 
gegen Zahlung von 10000 Dukaten die Rückgabe des Ländchens 
nach seinem Regierungsantritt versprochen; jetzt dagegen, Kur⸗ 
fürst geworden, weigerte er sich dessen, weil er in seiner neuen 
Würde nicht verpflichtet sei, früher gegebene Versprechen zu 
S. oben S. 494f.
	        
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