Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden,
und dann ergab sich, daß diese Linie sehr stark parallel mit dem im gleichen
Diagramm gezeichneten Wechselkurs Berlin—London verlief, „Namentlich bei
kleineren Bewegungen zeigt sich erhebliche Abhängigkeit‘ 1), die soweit geht, daß
der Wechselkurs bei Diskontdifferenzen von nur 1/,0% exakt reagiert. Dasselbe
wurde für den Frankenkurs beobachtet, der sich in seinem Verlauf bei kleineren;
Bewegungen ziemlich genau nach der Differenz zwischen Berliner und Pariser
Privat-Diskont richtete. In der Abhängigkeit von Diskontdifferenz und Wechsel-
kurs zeigt sich die sogenannte „Solidarität der Geldmärkte‘‘ ?). Sofern keine an-
deren Gründe vorhanden sind, die den Wechselkurs steigen oder fallen lassen,
ist es gar nicht anders denkbar, als daß die einzelnen Wechselkurse sich mehr
oder weniger genau den zu ihnen gehörigen Geldmarktverhältnissen anpassen %).
Neben diesen kleineren Bewegungen des Wechselkurses, wir wollen sie
„taktische Bewegungen“ nennen, zeigten die erwähnten Diagramme größere
Bewegungen des Wechselkurses, wir wollen sie als „strategische Bewegun-
gen‘ bezeichnen, welche nicht auf Diskontdifferenzen zurückzuführen waren, Diese
strategischen Bewegungen des Wechselkurses bestehen darin, daß innerhalb län-
gerer Monate der Wechselkurs z. B. allgemein fällt, während die Linie der Diskont-
differenzen im ganzen für diesen Zeitraum eine Steigerung zeigt, oder umgekehrt
der Wechselkurs steigt im Laufe mehrerer Monate, während die Linie der Diskont-
differenzen im ganzen fallende Tendenz hat. Die tägliche taktische Bewegung der
beiden Linien bleibt trotzdem im wesentlichen parallel, sodaß der Wechselkurs
auf jede Diskontdifferenz im einzelnen entsprechend reagiert. Die strategische Be-
wegung, welche erst im Laufe von Monaten existent wird, kommt dadurch zustande,
daß dieses tägliche Reagieren auf die Diskontdifferenz nach oben bzw. unten ent-
weder zu stark oder nicht stark genug ist, sodaß sich als Korrelation beider
Linien eine neue Bewegung ergibt*.). Die genannten Wechselkursuntersuchungen
sind auf diese strategischen Bewegungen nicht näher eingegangen, weil sie für
die damalige Zeit für geschäftliche Zwecke belanglos erschienen,
Heute erhält die Erscheinung ein weitaus größeres Gewicht, weil für unsere
Zeit der Reparationszahlungen mit ganz anderen Zahlungsbilanz-Verhältnissen zu
rechnen ist. Die strategische Bewegung des Wechselkurses stellt nämlich nichts
anderes dar als den Einfluß, den der jeweilige Stand der Zahlungsbilanz auf An-
gebot und Nachfrage am Devisenmarkt ausübt, sodaß es zwei Faktoren sind,
welche die Wechselkurse bestimmen, nämlich der Saldo der Zahlungsbilanz und die
internationalen Zinsdifferenzen,
Die Wirkungen dieser beiden Faktoren auf die Wechselkurse können gleich-
gerichtet oder entgegengesetzt, also ganz oder teilweise sich kompensierend sein,
Mithin sind, wenn wir die Gesamtverhältnisse im Durchschnitt betrachten, vier
Marktsituationen möglich:
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‘) Schmalenbach, a. a. 0. S, 244.
2) Weill, Die Solidarität der Geldmärkte, Frankfurt 1908,
3) Walb, Die Struktur der internationalen Kapitalbeziehungen und ihre Veränderung
seit dem Weltkrieg, Annalen der Betriebswirtschaftslehre, Verlag Weiß Berlin und A. W.
Shaw Company Chikago, 1928, S. 453: „Infolge der besonders sicheren und liquiden Anlage-
formen entscheidet für diese (kurzfristigen) Kapitalwanderungen in stärkerem Maße der reine
Nutzen. Die Folge ist, daß unter Ländern mit gutem Bankwesen der Zins automatisch ‚die
Kapitalien dirigiert, sofern nicht die früher erwähnten Einschränkungen (gemeint ist der
Unterschied zwischen Industrie- und Agrarländern) bestehen.“ Walb belegt seine Thesen
mit zahlreichen Beispielen aus der internationalen Finanzgeschichte.
4) Ein ähnliches Gegeneinander von taktischer und strategischer Bewegung zeigen die
Silberwechselkurse Shanghai-London und Hongkong-London für die Jahre 1907—1910, hier
allerdings aus anderen Gründen; näheres Mahlberg, Über asiatische Wechselkurse a. a. 0.