Full text: Nationalökonomie (1.1915)

Arbeit als 
alleiniger 
Wertfaktor. 
Jarev. 
Bastiat. 
L 
$ 
Adam Smith bestimmte den Wert eines Gegenstandes nach der 
Arbeit, dıe man damit einkaufen kann, aber auch nach der Arbeit, 
Jie zur Herstellung erforderlich war. Dies führte sein Schüler David 
Ricardo eingehender aus, der überall dort die Herstellungskosten 
für den Wert bestimmend ansah, wo der Gegenstand in ausreichender 
Fülle vorhanden ist und der gesteigerte Bedarf leicht gedeckt werden 
kann, während bei beschränktem Vorrat und erschwerter Ergänzung 
der Einfluß des Seltenheitsmomentes als über die Kosten hinaus wert- 
steigernd durchaus von ihm anerkannt wurde. Da er aber annahm, daß 
in bei weitem überwiegender Weise in der Volkswirtschaft der erstere 
Fall, der zweite nur ausnahmsweise vorkomme, so berücksichtigte er bei 
den allgemeinen Betrachtungen nur den ersten, nicht den zweiten. 
Hierauf stützten sich besonders Karl Marx und seine Schule, welche 
das Seltenheitsmoment ganz beiseite Schoben und nur die durchschnitt- 
lich (nicht in dem einzelnen Falle, sondern die gesellschaftlich) zur 
Herstellung notwendige Arbeit als den Wert bestimmend ansahen, wie 
sie zugleich die menschliche..Arbeitskraft als alleinigen. Werterzeuger 
hinstellten. Hiernach kennt die sozialistische Schule nur den Kosten- 
wert und versteht unter Kosten nicht Geld, sondern Arbeit. 
“” Schon der Amerikaner Carey trat den Ausführungen Ricardos 
entgegen, indem er sagte: Nicht die zur Produktion, sondern zur Re- 
produktion nötige Arbeit bestimmt den Wert. Wieviel Arbeit auf- 
gewendet ist, um den Gegenstand anzufertigen, bleibt gleichgültig; 
wenn man durch einen Fortschritt, z. B. eine Erfindung, in den Stand 
gesetzt wird, sich den Gegenstand mit viel weniger Arbeit neu herzu- 
stellen, so wird man für ihn nicht mehr geben, als die Neuherstellung 
erfordert. _Jeder industrielle Fortschritt führt daher unter sonst 
gleichen Verhältnissen _zu einer Verminderung des Wertes der be- 
treffenden Gegenstände. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Auf- 
fassung richtig ist, doch wird sie nur für solche Verhältnisse eine 
wesentliche Bedeutung haben, wo der Fortschritt und die Ermäßigung 
der Herstellungskosten schnell vor sich gehen, während das Ergebnis 
in den meisten Fällen mit der Ricardoschen Definition zusammen- 
fallen wird. 
Der Careyschen Auffassung sehr nahe liegt die von Frederic 
Bastiat, der den Wert bemißt nach dem durch das Gut ersparten 
Dienste. Hat ein Fuhrmann, sagt er, in einem Fasse Trinkwasser 
nach der Stadt gefahren, so wird das Wasser nicht nach den Kosten 
bewertet, welche dem Fuhrmann daraus entsprangen, sondern der Wert 
des Wassers wird in der Stadt so hoch geschätzt werden, und der 
Fuhrmann wird den Preis des Wassers so weit über seine eigenen 
Kosten zu steigern vermögen, als die Städter ihre Mühe veranschlagen, 
um sich das Wasser selbst zu holen, was im allgemeinen höher sein 
wird als die Mühe des Fuhrmanns. Auch diese Art der Schätzung 
kommt in der Volkswirtschaft gewiß häufig vor, und die Darlegung 
trägt zur Erläuterung des volkswirtschaftlichen Vorganges wesentlich 
bei, unrichtig ist es aber sicher, überall diese eine Form der Schätzung 
als maßgebend anzunehmen. Auch hier kommt die Seltenheit des 
Gutes nicht zur Geltung, so wenig wie bei Marx, Nicht nur bei Edel- 
steinen, Kunstwerken usw. ist sie als entscheidend anzusehen, sondern 
vor allem bei dem Grund und Boden, besonders in den Städten, wo 
ein Bauplatz, auf den noch gar keine Arbeit verwendet ist, doch tat- 
sächlich bei starker Bevölkerung einen hohen Wert haben kann. Da
	        
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