werden, eine Sitte, die nach ihrer Ansicht Hilfe und Ehre
zugleich bringt. Die Zahl der Schüsse hängt ab sowohl vom
Stand des betreffenden Ehemannes als von der Schwere
der Geburt.
Bald nachdem ich die Mitteilung des Fitaurari erhalten
hatte, erreichte mich die erste Nachricht von der Karawane
Dr. Prüfers. Ein Läufer überbrachte dem Konsul einen
Brief, der berichtete, daß die Reisegesellschaft ebenfalls
Schwierigkeiten bei Ras Gugsa begegnet sei. Jetzt waren
sie freigelassen worden, befanden sich am Ufer des Tana-Sees
und auf dem Wege nach Gondar. Während der Wochen, in
denen der Konsul die Gesellschaft erwartete, hatte er sein
Wohnhaus und das des Arztes besonders instand gesetzt, um
sie für die Damen behaglich zu machen. Die eingelaufene
Nachricht gab den Vorbereitungen für den Empfang, dem
Putzen und Scheuern, einen neuen Anstoß. Das Eingangs⸗
portal am Fuße des Hügels wurde mit Girlanden ge—
schmückt. Es wurden größere Mengen Wasser von der
einige Kilometer entfernten Vorratsstelle herbeigeschafft und
in heißem Zustande zur Erfrischung der Gäste bereitgehalten.
Auf dem Wartturm des Konsulats war die größte der vor—
handenen Flaggen gehißt worden.
Unsere Truppe, die den Besuchern zum Willkomm ent—
zegenritt, war von imponierender Größe. Der Konsul saß
auf seinem Schimmel, Baur und ich auf Maultieren. Es
folgten ein Dutzend Fußsoldaten unter Führung eines be—
rittenen Korporals und eine kleine Karawane mit Pack
tieren, die Wasser, Milch und Nahrungsmittel trugen. Der
Läufer hatte uns von harter Behandlung während der Ge—
fangenschaft berichtet, und man konnte nicht wissen, in wel—
chem traurigen Zustand wir unsere Freunde finden würden.
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