Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

798 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
schränkungen unterzogen. Es war gegen Ende der vierziger 
Jahre. Im Beginne der fünfziger aber war Friedrich den 
klugen Einwirkungen Coccejis schon so weit gefolgt, daß er in 
dem Testamente des Jahres 1752 die Worte niederschreiben 
konnte: „Ich habe mich entschlossen, den Lauf der Prozesse 
nicht zu stören.“ 
Nun aber, nachdem der stracke Gang Rechtens festgelegt 
war, handelte es sich vor allem um die Einheitlichkeit, Klarheit 
und Zugänglichkeit dieses Rechtes: und von neuem trat damit 
das Problem einer umfassenden Kodifikation hervor. Aber erst 
nach dem Siebenjährigen Kriege wurde das stärker empfunden; 
and wiederum waren es beim Könige vor allem rein praktische 
Bedenken an der Stetigkeit, Schleunigkeit und Ehrlichkeit der 
Rechtspflege, die ihn zu starken Schritten vorwärts veranlaßten. 
Die Helden dieser neuen Kodifikation, die mit den achtziger 
Jahren begann, waren der Minister von Carmer und sein 
Rat Svarez. Und schon im Jahre 1781 erschien ein erster 
Teil des neuen Corpus iuris Fridericianum, das nach nun 
schon alter Gewohnheit zunächst nur ein verbessertes Gerichts— 
verfassungsgesetz enthielt. Von der Fortsetzung, die 1781 einer 
besonderen Gesetzeskommission übertragen wurde, haben dann 
dem Könige 1784 und 1785 nur noch die ersten Abschnitte 
überreicht werden können. Aber Friedrichs Tod hat das große 
Werk nicht unterbrochen, und im Jahre 1794 erhielt es, nun⸗— 
mehr vollendet, als Allgemeines Landrecht für die preußischen 
Staaten Gesetzeskraft. Es war noch im 18. Jahrhundert ein 
ganzer Erfolg; auf keinem Gebiete der inneren Entwicklung 
hat sich der deutsche Staat der Aufklärung schöner und reicher 
ausgelebt — auf keinem auch länger nachgewirkt: denn fast 
noch Generationen währte es, ehe sich die politischen Instinkte 
und Anschauungen des neuen Zeitalters des Subjektivismus 
zu der konkreten Forderung einer neuen Verfassung und schließlich 
auch eines neuen Rechtes verdichteten. 
Anders verlief die Entwicklung auf denjenigen Gebieten 
der Kultur, in denen sich die geistigen Wirkungen des 
neuen Zeitalters rascher zeigten und durchsetzten. Da, wo
	        
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