Königreich Sachsen.
Über die Heimarbeit in der Metallindustrie im Königreich Sachsen
ist noch sehr wenig in die Öffentlichkeit gedrungen. Statistische Aufnahmen
sind überhaupt noch nicht vorgenommen worden. Solchen Aufnahmen
stellen sich auch ungeheure Schwierigkeiten in den Weg. Um
nun aber über die Lage dieser Arbeiter wenigstens etwas genauere
Kenntnis zu erhalten, habe ich die Gegenden, wo solche beschäftigt
werden, und dort wieder die Hütten derselben, besucht. Durch diese
Besuche lernte ich eine Ausbeutung kennen, die wohl einzig dastehen dürfte.
Die Heimarbeit der Metallindustrie in Sachsen verteilt sich auf
folgende Gegenden und Berufe. In Weujkadt und Umgegend ist die
Messerschmiederei zu Hause. Im oberen Erzgebirge, in den
Dörfern Sachsenfeld, Beierfeld, Bernsbach und Grünhain
werden Blechwaren gefertigt, und in Markneukirchen und Klingenthal
i. Vogtl., sowie in den umliegenden Dörfern, werden Musikinstrumente
aller Art gemacht.
Eigenartige Verhältnisse herrschen in der Neustädter Messerschmiederei,
welche in den Händen von zwei Firmen ist. Die Erzeugnisse
bestehen in Messern und chirurgischen Instrumenten. Die Schmiede und
Schleifer arbeiten in den den Firmen gehörigen Fabrikbetrieben, während
die sogenannten Bankarbeiter die Arbeit in ihren Wohnungen verrichten.
Die Schmiede müssen den Stahl, die Kohlen und was sie sonst noch
brauchen, selbst kaufen. Den Stahl sind sie gezwungen von der Firma
zu beziehen und, wie mir versichert wurde, 100 Prozent teurer als diese
ihn selbst kauft. An dem Stahl, der also beim Schmieden abfällt oder
Ausschuß wird, hat die Firma aus Kosten des Arbeiters trotzdem ihren
Profit. Die Schleifer müssen ebenfalls Scheiben und was sonst dazu
gehört, selbst stellen. Schmiede und Schleifer sind jedoch vom Unternehmer
gegen Krankheit, Alter und Invalidität versichert, die Bankarbeiter
hingegen nicht. Die Zahl derselben beläuft sich aus 170 bis
180 Mann.
Die Arbeit geht in folgender Weise vor sich: Der Bankarbeiter
bekommt vom Unternehmer eine Bestellung ans eine gewisse Anzahl
Messer nach einem bestimmten Modell. Er begibt sich nun zum Schmied,
bei dem er die dazu erforderlichen Teile bestellt. Dieser hat sie nach
einem von der Firma festgesetzten Preis zu liefern. Das Messer wird
nun vom Bankarbeiter in seinen einzelnen Teilen gebohrt und gefeilt.
Daraus wird es zusammengesetzt (eingestellt) und so lange bearbeitet,
bis es gut funktioniert, wird dann wieder auseinander genommen und