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Bei einem jährlichen Einkommen von 10 350 000 Dollar
beschränkte er seine gewöhnlichen Ausgaben auf 200 000
Dollar jährlich. Mit wie großem Gleichmut er auch seine
erhabene Rolle als „Kunstsammler‘® durchführte, war er
doch in den meisten anderen Dingen unglaublich knauserig.
Er lebte in der Annahme, daß „jeder Mensch es darauf an-
lege, Vorteile durch ihn zu haben‘; und betrachtete
„Männer und Frauen in der Regel als eine ziemlich
schlechte Gesellschaft‘“1). Folgendes Beispiel, das neben
vielen ähnlichen von Croffut angeführt wird, zeigt seine
Geschicklichkeit, Betrügereien aufzudecken:
Wenn er im Büro beschäftigt war, hatte er die Gewohn-
heit, sein Frühstück, das der Kellner aus einem benachbarten
Restaurant brachte, an seinem Pult einzunehmen.
Er bezahlte die Rechnung wöchentlich und prüfte die
Beträge stets mit größter Sorgfalt nach. „War ich vorigen
Donnerstag hier ?“ fragte er einen Angestellten am Neben-
“sch.
„Nein, Herr Vanderbilt, Donnerstag waren Sie zu Hause.“
„Ich dachte es mir,“ sagte er und strich den Tag von der
Rechnung. Ein andermal äußerte er: „Am vorigen Dienstag
habe ich keinen Kaffee bestellt,“ und strich auch diesen Be-
trag aus.
Bis in seine letzten Tage war sein Sinn mit geschäftlichen
Plänen ausgefüllt ;während einer Konferenz über Eisenbahn-
projekte, die er in seinem Hause am 8. Dezember 1885 mit
Robert Garrett hatte, fiel er plötzlich vornüber vom Stuhl,
vom Schlage getroffen, und war sofort tot. Diener rannten
aufgeregt ab und zu; Boten wurden ausgesandt, seine Söhne
zu holen; Telegramme verkündeten die Botschaft nah und
fern.
Das Hinscheiden des größten aller Menschen hätte nicht
entfernt eine so große Aufmerksamkeit und Erregung her-
vorrufen können wie William H. Vanderbilts Tod. Die
Zeitungen füllten eine Seite um die andere mit Schilderun-
gen, nicht ohne Grund. Denn er war, obwohl er ungekrönt
und mit keiner Amtsgewalt bekleidet war, in Wirklichkeit
doch ein Autokrat; und wenn der Mann auch starb, so lebte
3) „The Vanderbilts‘, S. 127.