dienst angerechnet, daß er die Schliebensche Thesaurierungspolitik
zum Stillstand gebracht habe. (Sehr gut! links u. bei den Deutschen
Demokraten.) ~ Sehr gut, sagen Sie, nur ist dazu zu bemerken,
daß diese ewigen Behauptungen doch ein erhebliches Maß politischer
Undankbarkeit enthalten (Rufe von den Deutschen Demokraten:
Nanu! ~ Sehr richtig! rechts); denn vom Standpunkt der Gerech-
tigkeit muß gesagt werden, daß Herr Rein ho ld überhaupt das
ganze Jahr seiner minissteriellen Tätigkeit ~ abgesehen von dem
englischen Kohlenarbeiterstreik – n ur v o n den finanziellen
Reserven gelebt, (sehr wahr! rechts) die ihm sein viel
geschmähter und verkannter Vorgänger hintet-
la ss en hat. (Bravo! rechts.)
Es erscheint mir überhaupt nach den immer wiederholten
Ausführungen in der „Oeffentlichkeit und den Agitationsmethoden
gewisser Parteien hinsichtlich des Themas „T h es au ri erung s-
politik“ zweckmäßig, kurz die Entstehung der Erscheinungen zu
würdigen, was man als Thesaurierungspolitik bezeichnet. Zunächst
ist wichtig, daß an den Vorgängen, die darin gipfelten, daß im
Etatsjahr 1924/25 in der Tat ein Ueberaufkommen von 2 Milliarden
gegenüber dem Voranschlag feststellbar wurde, der Reichsfinang-
minister von Schlieben nicht den geringsten Anteil hat. (Zurufe
links.) – Er hat nicht die geringste Beziehung dazu, sage ich. Denn
wie ist der an sich tief bedauerliche Tatbestand des Ueberaufkommens
von 2 Milliarden zu erklären? (Abgeordneter Dr. Fischer: Davon
konnte Reinhold ja doch nicht leben!) – Warten Sie doch ab! JFch
komme darauf noch zurück. Dieser Tatbestand ist so zu erklären:
Auf Grund einer allerdings originellen, vielleicht sogar genialen
Lösung einer Finanzkrise durch den damaligen Finanz-
minister Dr. Luther, im Februar des Jahres 1924, ist eine
unorganische Erhebung der Einkommensteuer erfolgt, die zu einem
ganz exorbitanten Aufkommen an dieser Steuer geführt hat. Zu
diesen Vorgängen, die auf den Steuernotverordnungen beruhen,
hat J ich wiederhole es ~ Herr v. Schlieben nicht die allergeringste
Beziehung. Jm Gegensatz zu Herrn Dr. Hert, der behauptet hat,
daß das damalige exorbitant hohe Aufkommen überhaupt gar nicht
aus der Substanz, sondern aus dem Ertrage gekommen sei, sage ich
folgendes: Ich möchte den Herrn Dr. Hertz bitten, einmal die
Freundlichkeit zu haben, eine Reihe von Gewerbetreibenden oder
sonstigen Betriebsinhabern nach ihren Erfahrungen aus dem
Steuerjahr 1924 zu fragen. Dann wird er die Bestätigung dafür
finden, daß damals in der ungeheuerlichsten Weise
hf i: Hub au 1. tui! ar
in Höhe von 2 Milliarden Mark. Als nun
der Reichsfinanzministee v. Schlieben Ende Januar
19925 sein Amt antrat, war seine Aufgabe erstens die R ef o r m