Ausklänge, XXIV.
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tischsten aller Worte hineinzujagen. Denn nicht einfach die „Viel
deutigkeit“ dieses Wortes ist die Gefahr, abermals die verstohlene
Problematik dahinter!
Aus welchem Grunde soll jene soziologische Erkenntnislehre nicht
auch wieder nur eine Spielart der „Soziologie“ als „Fachwissenschaft“
sein? Ich stelle die Gegenfrage: Was führt dazu, derlei Erkenntnis
lehre zu treiben? Doch vor allem die Absicht, in der eigenfachlichen
Theorie mit besonderem Vorbedacht zu verfahren, selbstbesonnen.
Dies scheint mir der typische Fall, an „Soziologie als Erkenntnislehre“
zu arbeiten. Somit breitet sich hier ein Arbeitsfeld aus, das aus Zwang
der Lage von ganz verschiedenen Seiten her bestellt werden muß, von
all den verschiedenen Fachwissenschaften her. Schlechthin ein Grenz
gebiet ist es sicherlich keines. Zwar stoßen alle „inbegriffiich-sozio-
logischen“ Fachwissenschaften hier tatsächlich zusammen; aber sie tun
es in der bedeutsamen Art, daß sie alle sich hier in ihrer höchsten
theoretischen Zuspitzung zusammenfinden, ausdrücklich je mit ihrem
Kerngebiet. Auch eine „Theorie der Theorien“ ist es nicht in dem
gewöhnlichen Sinne, der schließlich für alles Methodologische zutrifft.
Auch das ist es vielmehr in jenem tiefsten Sinn, daß hier für alle
Fachwissenschaften das gemeinsame Herz ihrer Problematik schlägt
Dieses Arbeitsfeld ist einzigartig schon deshalb, weil jede Fachwissen
schaft an dieser Stelle befugtermaßen in eigener Sache spricht; und
doch pfuscht sie hier den übrigen ins Handwerk! Haben doch auch
diese ihre eigene Sache zu vertreten. Auf dieses Arbeitsfeld muß sich
früher oder später jede der Fachwissenschaften hinauswagen. Denn
für jede steht hier das Ureigenste ihrer Haltung als Wissenschaft in
Frage. So handelt es sich für jede um eine wahre Gewissenserforschung.
Kann man sich dieses höchst persönliche Geschäft nun gleichsam ge
werbsmäßig von einem Dritten besorgt denken, der hier für alle im
„übertragenen Wirkungskreis“ tätig wäre, so daß er dieses seltsame
Arbeitsfeld bestellt, gleich einer richtigen Fachwissenschaft?
Freilich, im Grundsätze darf auf dieses Gebiet die Philosophie
Anspruch erheben, von ihrem Beruf her als Wissenschaftslehre. Auf
ihrer Seita ist sehr viel Erfreuliches geleistet worden. Die Namen
Dilthey, Windelband und Rickert, Schuppeund Münster
berg, Scheler und Lask, Husserl und Spranger, Simmel
nicht zuletzt, liefern rühmlichste Beispiele. Aber die unerfreulichen Bei
spiele fehlen auch nicht. Die Formel, mit der neuestens Vaihinger die
nationalökonomische Theorie seiner „Als-ob“-Philosophie einschachtelt,
scheint hier seitab zu bleiben. Denn ihm ist es überhaupt nur um
Fiktionen zu tun. Wo aber schier alles Fiktion ist, wie in der „Güter