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Sämtliche Stadtverordnete, deren Stellvertreter, desgleichen die
Bezirksvorsteher, sowie die Prinzen des Königlichen Hauses und die
ersten Autoritäten der Stadt, waren dazu auf den 6. Juli eingeladen.
Wir geben aus dem damaligen Berichte darüber folgendes wieder:
Um 10 Uhr morgens haͤtten sich, nachdem durch Läuten der Glocken schon
rüh die Wichtigkeit des Tages den Einwohnern verkündet war, der bisherige
Magistrat und die Mitglieder der neuen Stadtbehörden im großen Audienzsaale des
ꝛerlinischen Rathauses eingefunden, wohin auch der Königl. Kommissarius Herr
Beheimer Staats-Rat und Oberpräsident Sack, der vom alten Magistrat an der
Treppe des Rathauses empfangen wurde, sich begeben hatte. Dieser eröffnete die
erste Versammlung mit einer Anrede und entließ den bisherigen Magistrat im
Namen des Königs seiner Pflichten, ihnen für ihre Tätigkeit und den Eifer für die
iffentlichen Geschüfte dankend. Sodann forderte er den neuen Magistrat mit folgen⸗
den Worten zur feierlichen Vereidigung auf: „Lassen Sie uns, meine Herren, ehe
ich Sie verpflichte und feierlich einführe, den allmächtigen Gott um seinen Segen
bitten. Sie werden vor seinem Angesichte die heiligen Pflichten Ihres neuen und
chweren Berufs geloben; im Angesicht des ganzen Volkes Ihren neuen Eid leisten.
Folgen Sie mir in den Tempel des Herrn. Mit ihm wollen wir anfangen, mit
hm wollen wir enden!“
Nachdem das älteste Mitglied des ausscheidenden Magistrats einige Worte zum
Abschied gesprochen und der Sladt Glück und Wohl gewünscht hatte, setzte man sich
in Bewegung, um durch die Reihen der die militärischen Honneurs machenden
Bürgergarde sich zur Nilolaikirche zu begeben. Beim Eintritt des Zuges in die
Kirche, woselbst die ersten Autoritälen der Stadt nebst einer sehr großen Anzahl
Zuschauer erschienen waren, ward ein feierlicher Gesang angestimmt. Der Königl.
Kommissarius setzte sich mitten vor den schön geschmückten Altar, ihm zur Rechten
der neue Oberbürgermeister und zur Linken der Vorsteher der Stadtverordneten;
um sie der Bürgermeister, die Stadträte, Bezirksvorsteher und Stadtverordneten.
Der Probst und Oberkonsistorialrat Ribbeck hielt von der Kanzel eine Rede
über Psalm 90, Vers 16 und 17 und leüete die öffentliche feierliche Vereidigung
der neuen Stadtobrigkeit ein. Der Königl. Kommissarius proklamierte nochmals
saut deren Namen und forderte sie im Namen Si. Maj des Königs zum Eide auf.
Der Oberbürgermeister empfing hiermit vom Königl. Kommissarius das Formnlar des
Eides, trat vor den Altar und legte seinen Eidschwur ab; die übrigen Magistrats⸗
personen schwuren gemeinschaftlich. Eine feierliche Stille war in der großen Ver⸗
ammlung bei dieser wichtigen, heiligen Handlung. Ein Te Deum machte den
Beschluß; das Glockengeläute fing in allen Kirchen der Stadt wieder an und dauerte
fort, als der Zug wieder nach dem Rathause zurückging. Nachdem die Versammlung
die Sitze eingenommen, installierte der Königl. Kommifsarins den neuen Magistrat:
Mögen Sie, sagte er unter anderem, dem Erfolg Ihrer eifrigen und redlichen
Bemühungen überall entsprechen. Möge die edle Absicht unseres allgeliebten Königs
vollkommen erreicht werden. Dann wird aus dieser neuen Ordnung der Dinge
ein neuer Geist der Kraft und des Lebens hervorgehen. Die Buchstaben werden
sterben, damit der Geist lebe. Heil unserm König! Heil seinem Allerdurchlauchtigsten
Hause! Heil unserm Staate! Heil dieser guten Stadt und ihrer Bürgerschaft!
Mögen unsere Kinder und Kindeskinder sich dieses Tages dankbaͤr und froh
zrinnern und Friedrich Wilhelm den Dritten segnen!
Aber auch aus Sängers Munde tönte begeistertes Lob. Max
bon Schenkendorf, dem Reichsfreiherrn in manchem geistesverwandt, dichtete
1814 sein Lied zum Preise deutscher Städte. Hier nur einiges daraus: