fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

$ 52. Die Bedeutung der Veränderungen der Geldmenge. 409 
so ist offenbar der gesamte Goldbedarf dem allgemeinen Preisniveau 
proportional, und da dieser Bedarf dem gesamten Goldvorrat gleich sein 
muß, so ist das allgemeine Preisniveau dem gesamten Goldvorrat pro- 
portional, was wieder mit unseren oben gewonnenen Ergebnissen über- 
einstimmt. 
Die Annahme, daß der nicht monetäre Goldbedarf dem allgemeinen 
Preisniveau proportional ist, daß also die Goldnachfrage im um- 
gekehrten Verhältnis zum Goldpreis steht, ist an sich nicht unwahr- 
scheinlich. Denn wird das Gold zu Schmucksachen verwendet, so wird 
es in wesentlichem Grade seines Wertes, nicht seiner Menge wegen be- 
gehrt. Der Einheitswert des Goldes muß dann, bei im übrigen gleichen 
Umständen, der Gesamtmenge des Goldes umgekehrt proportional sein. 
Hat man einmal angenommen, daß der monetäre Goldbedarf mit dem 
allgemeinen Preisniveau proportional wächst, so bedeutet die Annahme, 
daß auch der industrielle Goldbedarf dem allgemeinen Preisniveau pro- 
portional ist, offenbar nur, daß das Verhältnis zwischen dem monetären 
und dem industriellen Goldbedarf unabhängig vom allgemeinen Preis- 
niveau ist, mit anderen Worten, daß die Goldmenge sich in demselben 
Verhältnis auf die beiden Hauptverwendungen verteilt, unabhängig von 
der Größe der gesamten Goldmenge. Es soll aber beachtet werden, 
daß es zur Aufrechterhaltung der Quantitätstheorie genügt, wenn man 
annimmt, daß der gesamte Goldbedarf dem allgemeinen Preisniveau 
proportional ist und die Möglichkeit von Verschiebungen zwischen 
monetärem und industriellem Goldbedarf offen läßt. 
$ 52. Die Bedeutung der Veränderungen 
der Geldmenge. 
Für die praktische Geldpolitik hat die Theorie des Geldwertes un- 
mittelbare Bedeutung wesentlich nur insofern, als sie imstande ist, zu 
erklären, wie Veränderungen der Geldmenge auf das allgemeine 
Preisniveau einwirken. Nach Stuart Mill!) ist es im nationalöko- 
nomischen Unterricht gebräuchlich geworden, die Wirkung einer Ver- 
mehrung der Geldmenge in der populären Formel darzustellen, daß 
„wenn alle Kassenvorräte in der Volkswirtschaft in einem Augenblicke 
verdoppelt werden sollten, ceteris paribus das allgemeine Preisniveau 
auch verdoppelt werden müßte‘, Dieser Satz steht offenbar wesent- 
lich außerhalb der Ergebnisse unserer bisherigen Analyse der Quan- 
titätstheorie. Denn hier wird angenommen, daß in einer gegebenen 
Volkswirtschaft eine Vermehrung des Geldes eintritt, und es wird be- 
treffend die Wirkung dieser Veränderung eine bestimmte Behauptung 
') Mill: Principles of political economy. Book Il, Ch. VII, 82. 
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