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Historische
Entwicke-
lune.
und dann den Betrag einzukassieren. Das Börsengeschäft besteht
darin, Wechsel billig zu kaufen und zu einem höheren Preise wieder
zu verkaufen. Die Bank will nur den Zins in Anspruch nehmen, die
Börse am Wechselkurse gewinnen, Die Erstere sieht deshalb auf be-
sondere Sicherheit, die zweite nur auf erfolgreiche Absetzbarkeit des
Wechsels.
Die Bank handelt mit flüssigen Betriebskapitalien, die im laufen-
den Geschäftsbetriebe umgesetzt werden, die Börse dagegen mit An-
lagekapitalien. Auch hier will die Bank nur den Zins beziehen und
an der Differenz des Zinses für Depositen und Darlehen profitieren.
An der Börse will man an dem Kurse der Papiere gewinnen. Die
Bank kauft nur sichere Papiere zur Anlage von Reservekapitalien, die
Börse spekuliert mit Vorliebe mit unsicheren Papieren. Das Kaufen
der Papiere, um sie mit Vorteil zu verkaufen, ist kein bankmäßiges,
wohl aber ein hauptsächliches Börsengeschäft.
Von den kleineren Bankiers ist nun schon lange eine Vereinigung
beider T’hätigkeiten durchgeführt. In der neueren Zeit haben sich, wie
erwähnt, große Aktienbanken zur Aufgabe gestellt, gerade Börsen-
geschäfte zu machen, während sie es dabei nicht verschmähen, auch
die gewöhnlichen Bankgeschäfte für einen dauernden Kundenkreis zu
übernehmen, Das Bedenkliche dieses Vorgehens liegt vor allem darin,
daß die Sicherheit der Banken durch die Uebernahme von Börsen-
geschäften mehr und mehr gefährdet wird, und damit auch die Sicher-
heit für die Depositen der Bankkunden und die Unterstützung der
Geschäftswelt durch angemessenen Kredit. Auf der anderen Seite liegt
lie Gefahr einer einseitigen Beeinflussung der Börse durch jene großen
Anstalten vor, wie dann der Begünstigung von Gründungen aller Art
ıllein zum Zwecke der Spekulation. Wir haben deshalb diesen eigen-
Ümlichen Unternehmungen näher zu treten.
Als Vorläufer dieser modernen Art von Banken ist wohl die
Gründung von John Law 1717 bei dem Uebergange seiner Banque
generale in die Banque royale anzusehen, mit der er die Aktien der
Mississippi-Gesellschaft an der Pariser Börse unterzubringen suchte.
Auch die von Friedrichdem Großen 1772 gegründete Seehandlungs-
3ocietät hatte den gleichen Charakter, indem sie von vornherein sich
an industriellen Unternehmungen beteiligte und Emissionen von Staats-
papieren übernahm. Indessen hat sie sich von eigentlichen Spekulationen
von je her fern gehalten, die ihr nach der Umwandlung in eine Staats-
anstalt 1810 naturgemäß prinzipiell untersagt waren. Dann ist die
1822 in Brüssel von König Wilhelm II. gegründete Soci6&t& generale
hier anzuführen, die ausdrücklich den Zweck hatte, industrielle Unter-
nehmungen zu unterstützen und ins Leben zu rufen. Aber der Aus-
gangspunkt der eigentlichen Spekulationsbanken ist in dem 1852 von
den Gebrüdern Pereire in Paris gegründeten „Credit mobilier“ zu
sehen. Die Veranlassung zu dieser Gründung bot das Streben, die
Uebermacht des Hauses Rothschild zu brechen und ihm ein mit
ähnlichen Mitteln ausgerüstetes Institut entgegen zu stellen, welches
sich an allen größeren Börsenspekulationen beteiligte, um davon zu
profitieren. Das Aktienkapital betrug anfangs 60 Mill. Fres., während
außerdem noch der zehnfache Betrag durch Ausgabe verzinslicher
Obligationen aufgebracht werden sollte, was aber nicht zur Ausführung
gelangte, da die Regierung den Mißbrauch dieser Kapitalsmacht be-
fürchtete und die Ausgabe nicht gestattete. Aher auch das Stamm-