Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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wert, daß er ein Stück Garten oder Ackerland zur Verfügung hat, 
um sich in den Freistunden in frischer Luft mit der ganz andersartigen 
landwirtschaftlichen Arbeit zu beschäftigen. 
Leidet schon der erwachsene Körper leicht durch eine permanente Beeinträchti- 
einseitige Anstrengung, so ist dies in noch viel höherem Maße bei ung der 
dem jugendlichen Arbeiter der Fall, Durch die einseitige Ausbildung been 
bestimmter Muskeln verkümmern die übrigen. Bestimmte Organe June. 
werden gedrückt und degenerieren; die Entwickelung des Körpers ist 
nicht eine harmonische, und die Leistungsfähigkeit des Erwachsenen 
eine unvollkommene, wenn der Körper nicht überhaupt frühzeitig zu 
Grunde geht. Noch mehr ist dies zu sagen von der geistigen Ent- 
wickelung, die unter einer rein mechanischen Thätigkeit notwendig 
leiden muß, In einer zu großen Ausbildung der Arbeitsteilung, wie 
sie unser Großbetrieb mit sich bringt, liegt deshalb unzweifelhaft eine 
Gefahr der Degeneration des Nachwuchses vor, und die Gesetzgebung 
hat sich infolgedessen auch veranlaßt gesehen, zum Schutze der ]ugend- 
lichen Arbeiter energisch einzugreifen. 
Aber auch in anderer Hinsicht zeigt die Arbeitsteilung ihre be- 
denklichen Folgen für die allgemeine Ausbildung des Lehrlings und 
jugendlichen Arbeiters. In den Fabriken, wie in der Hausindustrie wird 
der eingestellte Lehrling und jugendliche Arbeiter mit einer untergeordneten 
Thätigkeit betraut, die er sehr bald gut auszuführen vermag, damit er 
seine Stelle ausfüllt und dem Lehrherrn den Unterhalt zurückzahlt. 
So wird z. B. der Schuhmacherlehrling mit der Anfertigung eines Ab- 
satzes und der Verbindung des Absatzes mit der Sohle, der Schneider- 
lehrling mit dem Annähen von Knöpfen, oder der Anfertigung von 
Säumen beauftragt, womit er in größeren Unternehmungen den ganzen 
Tag Beschäftigung zu finden vermag. Wird diese Arbeitsteilung weiter 
fortgesetzt, so fehlt es naturgemäß an jeder allseitigen Ausbildung, 
und, während bei dem einfachen Handwerker jeder Schuhmacherlehrliug 
einen Schuh oder Stiefel, jeder Schneiderlehrling einen Anzug von Anfang 
bis zu Ende fertig zu stellen lernt, bleibt der jugendliche Arbeiter in 
der Hausindustrie wie in der Fabrik meist auf einzelne wenige Arbeiten 
beschränkt und wird daher ganz unvollkommen und einseitig ausge- 
bildet. Wird er aus seiner bisherigen Stelle entlassen, so ist es für 
ihn besonders schwer einen neuen Posten zu finden , Wo man gerade 
für die von ihm speziell erlernte Arbeit einen Vertreter gebraucht. 
Die Strickerin, welche gewohnt war, einen bestimmten Besatz für einen 
Umhang oder dergleichen zu stricken, kommt in arge Verlegenheit, 
wenn die Mode sich ändert und gerade diese Art Besatz nicht mehr 
verlangt wird. Der Hausindustrielle, der sein halbes Leben ein be- 
stimmtes Spielzeug mit großer Vollendung angefertigt hat, ist auf 
einen minimalen Verdienst oder gar Arbeitslosigkeit angewiesen, wenn 
der Absatz der für das Ausland bestimmten Ware durch eine Er- 
höhung des Zolles plötzlich abgeschnitten ist. Er vermag es nicht, sich 
hoch wieder in eine andere Thätigkeit hineinzuarbeiten, sein Denken, 
wie seine Fingerfertigkeit ist zu sehr nach einer Richtung konzentriert 
gewesen, oder er vermag wenigstens nur noch eine untergeordnete 
Arbeit zu erlernen und zu. übernehmen, die ihm den Verdienst eines 
jugendlichen Arbeiters einbringt. Mit anderen Worten, eine sehr aus- 
gedehnte Arbeitsteilung bringt die Menschen in übermäßige Abhängig- 
keit von den Verhältnissen und vermindert ihre Widerstandsfähigkeit 
gegen den Wechsel der Konijunkturen.
	        
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