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Der Buchdruckerver-
Vereine immer ausschliesslicher die unmittelbaren wirtschaftlichen und
Bildungsaufgaben zu fördern streben, haben, wie erwähnt, die sozialdemokratischen
sich davon mehr zurückgehalten; aber fortdauernd ist
eine Richtung in ihnen thätig, welche dieselben mehr in den Vorderzrund
stellen will. So trat schon auf dem Halberstädter Kongress 1892
der scharfe Gegensatz zwischen den Vertretern einer festen Zentralisation
hervor, welche in der Generalkommission ihr Haupt hatte, und
den lokalen Organisationen, welche eifersüchtig auf ihre Selbständigkeit
bedacht nahmen. Die letzteren legten das Hauptgewicht auf die
politische Agitation, welche den ersteren dadurch erschwert war, dass
es Vereinen mit politischen Bestrebungen gesetzlich verwehrt ist, mit
einander in Verkehr zu treten, und sie deshalb 'mindestens äusserlich
ihre Thätigkeit anderen Aufgaben zuwenden mussten. Eine solche
war die Ausgestaltung einer genauen Arbeiterstatistik, vor allen Dingen
einer Strikestatistik, die aber sehr Wesentliches nicht zu leisten vermochte
; demnächst nahmen sie die Unterstützung der Arbeitslosen und
die Arbeitsvermittlung mehr in Angriff.
Wie die Organisation an Terrain erst in der neueren Zeit gewinnt,
ist daraus ersichtlich, dass auf dem zweiten Gewerkschaftskongress in
Berlin 1896 nur 271000 Mitglieder vertreten waren, auf dem dritten
Kongress in Frankfurt a. M. 1899 495000 Mitglieder, auf dem auch
ler Buchdruckerverband auftrat und eine grössere Rolle spielte.
Dieser letztere nimmt, wie schon angedeutet, eine exceptionelle Stellang
ein, indem er von jeher Prinzipale und Gehilfen gemeinsam zu umfassen
und zu gemeinsamem Thun zu vereinigen trachtete. Die ersten
Anfänge desselben sind auf eine Versammlung in Mainz im Jahre 1848
zurückzuführen, wo man einen deutsch-nationalen Buchdruckerverein ins
Leben rief, der allerdings nur ein ganz kurzes Leben hatte, da er bald polizeilich
aufgelöst wurde. Im Jahre 1862 wurde in Leipzig ein Fortbildungsverein
für Buchdrucker mit einem eigenen Organ gegründet, von dem 1866
ein allgemeiner deutscher Buchdruckertag nach Leipzig berufen wurde,
auf dem über 3000 Gehilfen aus 185 Städten vertreten waren, und wo
lie Gründung des deutschen Buchdruckerverbandes beschlossen wurde,
der 1867 ins Leben trat. Nach den Statuten stellte er sich die Aufzabe,
durch Vereinigung der Gehilfen und Prinzipale die materielle
Besserung und geistige Hebung der Mitglieder zu erreichen, wobei die
Hebung der Löhne ausdrücklich mit ins Auge gefasst war. Zuerst
wurde eine besondere Zeitschrift des Verbandes gegründet: „Der
Korrespondent,“ dann schuf man eine Invaliden-, später eine Reisekasse,
ne Zentralkrankenkasse und in den achtziger Jahren eine Stelle für
Rechtsschutz. Die Beteiligung der Prinzipale blieb nur eine ziemlich
vescheidene, und im Jahre 1869 wurde von denselben ein besonderer
Verein gegründet, „der deutsche Buchdruckerverein,“ der ausdrücklich
Jem ersteren das Gegengewicht halten sollte. Sehr bald entstanden
zwischen beiden Vereinen Streitigkeiten, namentlich 1873 über die Aufstellung
eines neuen Lohntarifs, wo die Prinzipale entschieden den
Kürzeren zogen. Bedeutsam war es, dass ein Schiedsamt zur Entscheidung
von Streitigkeiten mit einer höheren Instanz in einem KEinigungsamt
in Leipzig gegründet wurde. In beiden waren Prinzipale und
Gehilfen in gleicher Zahl vertreten. Diese Einrichtung musste aber
1878 wieder fallen gelassen werden, weil die Organisation der Unter: