thumbs : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Zu diesen inneren Ursachen treten eine Anzahl äusserer hinzu;
anter denen zu erst zu nennen ist die Vermögenslosigkeit, durch
welche die grosse Masse der Arbeiter der Reserve und des festen
Hinterhaltes entbehrt und — daher als Proletarier aus der Hand in den
Mund lebt und infolgedessen fortdauernd in Gefahr schwebt, durch Umstände,
 die auch nur vorübergehende Verdienstlosigkeit in sich schliessen,
in Not und Elend zu geraten. Dies der Zustand, der sich bei unzureichendem
 Lohne allgemein herausstellt und zu einer Erbarmut führt,
die sich klassen- und generationsweise ausbildet, die Bevölkerung in
Stumpfsinn und Sorglosigkeit erhält und das Streben nicht aufkommen
lässt, sich aus dem Zustande empor zu arbeiten, sondern sie in Resignation
 dauernd in dem alten Zustande festhält.
Zweitens kommen alle diejenigen Eventualitäten in Betracht, die
wie Krankheit, Invalidität, Tod des Ernährers eine Verdienstlosigkeit
mit sich bringen und unter unseren Verhältnissen fortdauernd die
Ursache der Armut bilden, gegen deren Folgen gerade in Deutschland
 die Arbeiterversicherung ankämpft, die wir ausführlich erörtert
haben. Ausserdem kommen ferner die wirtschaftlichen Krisen und
sonstige Momente in Betracht, welche unverschuldete Arbeitslosigkeit
herbeiführen, die in unserer Zeit der Kreditwirtschaft und des wachsenden
 internationalen Konkurrenzkampfes durch Verschiebung infolge
yon Krfindungen etc. eine wachsende Rolle spielt.
Die Statistik vermag über die Bedeutung der einzelnen Ursachen
nicht in korrekter Weise Auskunft zu geben, weil sie oft schwer
zu ergründen sind, und ausserdem wird in einem jeden Landesteile,
in einer jeden Stadt das Ergebnis ein anderes sein. Immerhin geben
die sächsische und deutsche Reichsstatistik einen gewissen Anhalt,
Nach der Enquete von 1880 im Königreich Sachsen und nach der
deutschen Statistik von 1885 wurde als durchschnittliche Ursache der
Bedürftigkeit bei den aus öffentlichen Kassen Unterstützten, wie folgt,
festgestellt:

Krankheit und Verletzung .
Tod des Ernährers . . .
Körper]. u. geistige Gebrechen
Altersschwäche . . . . +.
Grosse Kinderzahl . . ..
Arbeitslosigkeit . . . . .
Arbeitsscheu und Trunksucht

Deutsches Reich
30.0) Proz.

in ®* Grersstädter

Sachsen
‚8.4 Proz.
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Aeussere
Irsachen.

Schwerlich wird es möglich sein, jemals diese inneren und äusseren Unmöglichkeit
Ursachen der Armut und daher diese selbst völlig zu beseitigen. Jedoch %* SE
3zind die vorliegenden Zustände nicht als unabänderliche, mit unseren N freche
Kulturzuständen notwendig verbundene und naturgesetzliche anzusehen,
vielmehr haben Staat und Gesellschaft die Möglichkeit, darauf weitgehend
 einzuwirken und damit sie erheblich zu bessern. Es ergiebt
sich daher für sie die weitgehendste Aufgabe vor allem vorbeugend
zu wirken, die inneren Ursachen durch pädagogische Massnahmen sowie
durch die Hebung der ganzen Kultur zu bekämpfen.
Gegen die äusseren Ursachen ist mit den Mitteln anzukämpfen,
die die Volkswirtschaftspolitik zur Hebung des Wohlstandes und anyemessenen
 Verteilung desselben angiebt. Die Armenpflege selbst
            
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