Contents: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
land am Ende des vorigen und im Anfang dieses Jahrhunderts 
zu bedeutender Entwicklung gelangt sind. Gewiss war Adam 
Smith von den Physiokraten, waren Bentham, Paine, Cobbett 
und Godwin von der französischen Aufklärungsliteratur und 
der Revolution selbst bedeutsam angeregt. Aber diese Literatur 
sing ja von der älteren englischen aus und die jüngere 
englische knüpfte nicht nur an die französische, sondern immer 
zugleich wieder an Locke an und bewahrte sich eine be- 
deutende Eigenartigkeit und Selbständigkeit. Zugleich ging 
lieselbe, was Ausbildung eines extremen Individualismus be- 
trifft, reichlich so weit wie die französische; in der Ausbildung 
der Gleichheitsidee steht Godwin hinter den Franzosen durch- 
aus nicht zurück und die Erkenntniss des socialen Gegen- 
satzes der Neuzeit zwischen Besitz und Arbeit entwickelte 
sich in England ganz selbständig. Schon der Umstand, dass 
in England die Grossindustrie zuerst zur mächtigsten. Ent- 
faltung gelangte, macht es unzulässig, die Vorgänge in Eng- 
land gegenüber den französischen als unerheblich zu be- 
‘rachten. 
In seinem classischen Buch über den Socialismus und 
Communismus in Frankreich hat Stein so trefflich ausgeführt, 
dass nach Wegräumung aller alten ständischen Ordnung die 
[nstitution des Privateigenthums als eine mächtige Säule 
socialer Ordnung, d. i. Unterordnung, übrig geblieben sei und 
dass daher um dieselbe ein neuer Kampf entbrennen musste. 
Diese Erkenntniss — freilich mit der extremsten und selt- 
samsten Tendenz — findet sich schon bei Godwin 1798, indem 
er gleich im Anfang des 8. Buchs sagt, es müsse das Eigen- 
thum auf eine gerechte Basis gestellt, d. h. es müsse das 
herrschende System des Sondereigenthums abgeschafft werden, 
wenn das Ideal „der Gesellschaft ohne Regierung“, ohne alle 
Staats- und Zwangsgewalt erreicht werden solle. — 
Er hat nicht den Grundsatz einer Zwangsgemeinschaft 
der Production und Consumtion, auch nicht den, dass Jeder 
im Verhältniss zu seiner Arbeit und Leistung erwerben und 
geniessen solle, sondern sein Grundsatz lautet einfach: Jedem 
nach seinen Bedürfnissen.
	        
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