Full text: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

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kennt der Amerikaner selbst recht gut, er leidet unter 
ihnen und möchte sie gern abstellen. Doch verletzt 
fühlt er sich, wenn in einem gewissen Teil der euro 
päischen und nicht zum mindesten der deutschen Presse 
seine Ehrenhaftigkeit in Frage gestellt, wenn die Skrupel 
losigkeit gleichsam als landesüblich und legitim bezeichnet 
wird, wenn man die Bewegungsfreiheit, die er im Geschäft 
verlangt, in ursächlichen Zusammenhang mit dem unlauteren 
Wettbewerb bringt und behauptet, daß dieser besonders 
lustig drüben blühe. Und der Nationalstolz des Amerikaners 
bäumt sich erst recht auf, wenn immer nur von den 
Schattenseiten seiner Volkswirtschaft, von ihrem baldigen 
oder voraussichtlichen Zusammenbruch gesprochen wird, 
ohne Anerkennung, oft ohne Erwähnung des Großen, das 
drüben geschaffen worden ist und noch täglich geschaffen wird. 
Diese einseitige und ungerechte Aufzeichnung namentlich 
der Tagesgeschichte durch die Tagespresse ist es, die zur 
Entfremdung führt und alle von weitblickenden Männern 
gelegten Keime zu gegenseitigem Erkennen immer aufs neue 
gefährdet. Natürlich fehlt es glücklicherweise nicht an zu 
treffend unterrichteten, nur sachlich abwägenden deutschen 
Blättern, die, unterstützt von kenntnisreichen und gewissen 
haften Korrespondenten, weithin Aufklärung und Belehrung 
tragen; aber leichtfertige, unbillige und höhnische Urteile 
treten nur allzuoft in den Vordergrund. 
Wir sollten zurückdenken an jene Zeit, in der der 
„deutsche Michel“ der Gegenstand des Spottes in der 
Welt war. Was wir in liebendem Herzen für den „deut 
schen Michel“ und von ihm ersehnten, das verkleideten wir 
selbst unter Scherzen, damit in dem lachenden Auge die 
Träne nicht erkannt werde; in dem Bilde des „deutschen 
Michel“ war unseres Lebens Leben, in ihm pulsierte unser 
Herzschlag. Wenn aber ein Fremder wagte, was wir selbst
	        
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