Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
früheren Hauptwerk „Political justice“ die äusserste Linke der 
modernen englisch-französischen Geistesrichtung repräsentiren, 
Da er zugleich durch seinen seltsamen friedlichen Communis- 
mus manche Vergleichspunkte mit Robert Owen darbietet, so 
arschien es passend, ihn hier gleichsam als eine belehrende 
Curiosität zu besprechen, welche zeigt, wie weit es mit 
philanthropischem Rationalismus und Individualismus in Eng- 
land überhaupt kommen konnte, Die „Political justice“ er- 
schien zuerst 1793 und hat dann rasch noch zwei weitere 
Auflagen erlebt. Schon die erste Auflage, nach welcher ich 
ztire, schwebt über der französischen Revolution wie der 
Geist über den Wassern: dieselbe wird zwar mit Sympathie 
behandelt, lenkt aber die viel weiter gehenden utopischen Ideen 
ınseres Stubengelehrten keineswegs in ein praktisches Fahr- 
wasser und bewirkt auch in den späteren Auflagen nirgends 
ne Correctur dieser Ideen. 
Godwin entwickelt einen abstrakten Doctrinarismus, wie 
er stärker in England kaum jemals vorgekommen sein dürfte. 
Hinter den abstrakten Formeln Ricardo’s ist die praktische Ten- 
denz deutlich zu erkennen, bei Owen überwog die Absicht prak- 
tischen Schaffens in den schwärmerischen Spielen der Gedanken, 
Bentham hatte immer einzelne Gesetzgebungsfragen im Auge. 
Godwin dagegen schwelgt förmlich im Ausmalen der von ihm 
geglaubten Wahrheit, verachtet alle Untersuchung historischer 
Entwicklungen und betrachtet es als Pflicht aller Menschen, 
sowie als seine besondere Lebensaufgabe, die auf abstraktem 
Wege gefundene Wahrheit auszusprechen, worauf diese 
lurch die ihr innewohnende Allmacht sicher siegen werde, 
Er hat absolut keine andere Absicht, als die, die „Wahrheit“ 
zu formuliren. 
Man kann ihm dabei keine besonders grosse Consequenz 
aachrühmen. Es ist nicht einzusehen, warum man trotz der 
von ihm verlangten Verdrängung aller Leidenschaften durch 
vernünftige Erwägung die Wahrheit doch lieben soll und 
warum Godwin dies selbst thut. Seine Ansicht, dass es nur 
auf „individuelles Glück“ ankomme und der Mensch ein 
von in ihm angeregten Gedankenketten bestimmter gei-
	        
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