Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
kriege zu führen und gewaltthätige Verbrecher im Inland un- 
schädlich zu machen. Letzterem Zwecke zu Ehren beschäftigt 
er sich gleich Bentham eingehend mit der Frage der Criminal- 
justiz. Er verwirft die Gerechtigkeits- und die Abschreckungs- 
theorie, und erkennt als einzige Rechtfertigung der Strafe 
die Nothwendigkeit, absolut unverbesserliche Individuen zeit- 
weilig unschädlich zu machen. Allein auch dies ist nur eine 
zeitweilige Nothwendigkeit und im Grunde ein Widerspruch 
mit ‚der Natur und dem Genius des menschlichen Geistes 
(S. 746). Es wird diese Nothwendigkeit wegfallen, indem im 
richtigen socialen Zustand der Zukunft alle Versuchung zum 
Verbrechen und damit dieses selbst wegfallen und höchstens 
noch eine individuelle Nothwehr vorkommen wird. 
Die Lehre, die in all diesen oft geradezu auf kindlichem 
ader kindischem Glauben beruhenden Sätzen liegt, ist die: 
Ein extremer consequenter Individualismus bedarf. nothwendig 
der utopischen Annahme einer unmöglichen Vervollkommnung 
les Menschen. Ein schroffer Individualismus ohne diese An- 
nahme, der willkürlich irgendwo Halt macht, z. B. Majoritäts- 
herrschaft will, ist dagegen innerlich inconsequent. Letzteres 
gegenüber Rousseau und damit implicite auch gegenüber 
Bentham aufgedeckt zu haben, ist das Verdienst von Godwin’s 
ıbstrakten Träumereien, 
Dieser ganz extreme und eben deshalb utopische Indivi- 
Jualismus ist nun auch mit Communismus vereinbar. 
Obwohl Godwin anerkennt, dass ein Mensch weiser sein 
könne als der andere, so sind ihm doch im Grunde die Men- 
schen gleich beanlagt und es kommt nur darauf an, dass 
Jedem die Lehren der Wahrheit vermittelt werden, worauf 
er sie mit seiner Vernunft aufnehmen wird (S. 104 u. a. a. 0.). 
Diese Behauptung der vorhandenen Gleichheit ist natürlich 
anbewiesen. Sie hängt einerseits mit Godwin’s‘ Ansichten 
von der Natur des menschlichen Geistes überhaupt zusammen, 
anderseits ist sie zugleich eine andere Form für den vorhan- 
denen. Wunsch nach Gleichheit, d. h. das Postulat rein und 
höchst demokratischer Institutionen — die wir schon kennen 
velernt haben.
	        
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