Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Godwin. 
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Nun verlangt Godwin zwar hier zunächst nur rechtliche 
Cleichheit und will faktische Verschiedenheiten des Einflusses 
selbst in Folge von Reichthum noch zulassen (S, 489) — doch 
hat er uns schon vorher (S. 32) verrathen, dass nach seiner 
Meinung die Ungleichheit des Besitzes die Quelle von Ver- 
brechen ist, und dass man nach dem Princip der „justice“ ver- 
pflichtet ist, von dem eigenen Besitz dem Nachbar abzugeben 
was immer dieser nöthiger braucht als man selbst (8. 88 ff). 
Diese Gedanken werden nun im 8. Buch (S. 787) zum Schlusse 
besonders ausgeführt, Sie bilden nicht nur den Schluss, 
sondern wirklich den Schlusstein: des ganzen Gebäudes. Denn 
durch die hier auf den Höhepunkt getriebenen Utopien ver- 
steht man erst recht, dass und wie Godwin manches Voran- 
gehende selbst glauben konnte, 
Wie Fourier seine Vorschläge zur Umgestaltung aller 
Production unwillkürlich selbst widerlegte, indem er zugleich 
sine wunderbare Umgestaltung des Menschen und der ganzen 
Natur prophezeite und so unbewusst zugestand, dass nur durch 
in Wunder sein System ohne allen Egoismus verwirklicht 
werden könne — so verlor sich auch Godwin in Träumereien, 
denenzufolge nach Verwirklichung seines Systems der Mensch 
frei werden würde von Krankheit, Schlaf und Tod — ja er 
gestand sogar gewissermassen , dass diese Wunder zur voll- 
kommenen Verwirklichung seines Gleichheitssystems nöthig 
seien. Indessen interessanter als diese Verwandtschaft mit 
Fourier ist dies, dass Godwin ein System der absolutesten 
faktischen Gleichheit vor Baboeuf predigte. ; 
Wenn erst jüngst wieder v. Scheel *) unsere moderne sociale 
Entwicklung von der französischen Revolution datirt und den 
englischen Vorbildern weder als Anregungen noch als Mustern 
für den Continent erhebliche Bedeutung zugesteht, SO muss 
dem gegenüber sehr betont werden, dass alle die Ideen von 
Freiheit und Gleichheit, die in unserer socialen und politischen 
Naschichte der Neuzeit eine so grosse Rolle spielen. in Eng- 
1) In dem durchaus sehr interessanten und verdienstvollen Buch: 
Unsere socialnolitischen Parteien. 1878.
	        
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