Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Godwin. 
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Das jetzige System des Eigenthums ist nach Godwin noch 
schlimmer als Monarchie und Aristokratie; alle Abhängigkeit 
in Folge von Verschiedenheit des Besitzes müsse verschwinden, 
„aller Reichthum und insbesondere aller erbliche Reichthum 
ist wie der Gehalt für eine Sinecure, für welche die Arbeiter 
die Pflichten erfüllen und der Principal das ganze Einkommen 
in Luxus und Trägheit consumirt“ (S. 804). Dagegen ver- 
langt die Gerechtigkeit, dass „jedes Ding Demjenigen gehören 
soll, der es am meisten braucht oder dem der Besitz am 
meisten Vortheil bringt“ (S. 790). „Die natürlichen Bedürf- 
nisse eines Jeden sind der einzige Rechtstitel. sich irgend 
aine Art von Waaren anzueignen.“ 
Wie soll dies ohne Gewaltthat erreicht, wie ohne be- 
ständiges bellum omnium contra omnes erhalten werden? 
Einzuführen ist es natürlich nur durch Ueberzeugung 
Aller von der Trefflichkeit des‘ Systems. Hat sich diese 
Ueberzeugung einmal gebildet, SO wird das System auch er- 
halten bleiben. Die Ueberzeugung muss nun vor Allem darauf 
beruhen, dass die Bedürfnisse der Eitelkeit und des Luxus 
wegfallen. Man muss und wird einsehen, dass der Mensch 
zunächst Nahrung und Obdach braucht — und dass ausserdem 
zum wahren Glück nur Ausdehnung unserer geistigen Fähig- 
keiten, Kenntniss der Wahrheit, Uebung der Tugend gehört 
/S. 833). Dies ist an sich leicht erreichbar, da es ja im 
Leben des Menschen im Grunde keine Leidenschaften, nur 
Hedankenketten giebt (S. 835). Man sieht, Godwin wünscht 
und erwartet allgemeine Bedürfnisslosigkeit im Sinne eines 
idealen Epieuraeismus. Streit würde dann nicht entstehen, 
indem Jeder, geleitet von den Ideen der Gerechtigkeit, stets 
es erkennen und danach handeln würde, wenn ein Anderer 
Etwas nöthiger hat (S. 857). Gemeinsame Arbeit wird durch 
Verbesserung der Technik unnöthig werden, gemeinsame 
Consumtion, auch Zusammenwohnen sind verwerflich, weil 
mit der individuellen Selbständigkeit‘ im Widerspruch. 
Deshalb ist auch die Ehe ein verkehrtes Institut, an ihre 
Stelle müssen ungebundene Freundschaftsverhältnisse treten, 
in denen der Geschlechtsverkehr als etwas Triviales in den
	        
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