Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
Monopole unfehlbar auch den Reiz überflüssigen Besitzes ver- 
schwinden machen, indem ‘Jeder nur stolz ist auf das, was er 
ist, nicht auf das, was ihm die Gewalt gegeben hat (S. 891). 
Die Reichen werden freiwillig immer mehr ihren Ueberfluss 
abgeben und der Demokratie wird von selbst die Güter- 
gleichheit folgen! 
England hat bei Beginn der Neuzeit keine Revolution 
ähnlich der grossen französischen erlebt. Aber Godwin’s 
Schriften zeigen, in welchem extremen Maass die gleichen 
[deen, welche die grosse französische Revolution beherrschten, 
auch in England Eingang fanden. Es lässt sich ein extremerer 
Individualismus und ein vollkommnerer selbstgenügender, 
Rationalismus als der von Godwin nicht denken. Und dass 
er nicht eine ganz vereinzelte zufällige Erscheinung, sondern 
ein Product des Zeitgeistes war, das beweist nicht nur die 
ägusserliche Thatsache, dass die „Political Justice“ in kurzer 
Zeit drei Auflagen erlebte, sondern man beachte vor Allem, 
dass seine „justice“ identisch mit „utility“ ist, dass bei ihm 
wie bei Anderen das Wohl des Individuums das Ziel aller 
öffentlichen Einrichtungen bleibt. Sein Buch ist eine Caricatur 
in vielen seiner Theile — aber eine lehrreiche Caricatur des 
Zeitgeistes in seiner englischen utilitarischen Färbung. Godwin 
löst die sociale Frage der Neuzeit in der radicalsten Weise, 
indem er lediglich aus seinen Annahmen über die Natur des 
Menschen und aus den Ideen der Freiheit und Gleichheit 
deducirt, ohne sich im Mindesten um die gegenwärtigen 
socialen Zustände zu bekümmern. Politische und rechtliche 
Institutionen sind die einzigen Thatsachen, die er bespricht 
resp. bekämpft. 
Durch seine Theorien der Gütergleichheit hat Godwin 
eine gewisse Beziehung zu Thomas Spence, der unter den 
radicalen Agitatoren Englands eine nicht bedeutende aber 
eigenthümliche Rolle als bewusster und einseitiger Vertreter 
einer Art von 'agrarischem Communismus spielt.
	        
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