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Erstes Buch, Cap. 2.
übertroffen werden; dass dieselben durch beständigen Verkauf
des Bodens sich unter alle Stände vertheilen; dass sie durch
hohe Ankaufspreise des Bodens dem Bodenbesitzer vielfach
ganz verloren gehen und jedenfalls durch vermehrte Verwen-
dung von niedrig verzinstem Capital auf Grund und Boden
mehr als aufgewogen werden. Hier genügt es, hervorzuheben,
dass Ricardo ganz einseitig den Grundbesitzer als einen Mann
hinstellt, der auf Kosten seiner Mitbürger gewinnt.
Und welches ist der Zweck dieser auf seltsame Abstrac-
tionen aufgebauten Lehre?
Die Antwort geben vor Allem die kleineren Schriften,
auf die wir nun zu sprechen kommen, Es sind das die Schriften:
„Essay on the Influence of a low price of corn on the pro-
fits of stock“ (erschienen 1815, zwei Jahre vor den Principles)
und „On Protection to Agriculture“ (erschienen 1822), i
Ricardo war freilich selbst Grundbesitzer geworden; aber
er folgte offenbar nur dem Drange seiner Landsleute, durch
solchen Besitz mit dem Reichthum höheres politisches und
sociales Ansehen zu verbinden. In seiner ganzen Anschau-
ungsweise und den Interessen, die er empfand und verstand
— blieb er Vertreter des Geldinteresses und kaum einer sei-
ner Nachfolger repräsentirt so scharf wie er den Antagonis-
mus des beweglichen Capitals gegen den Grundbesitz,
Die erste der beiden genannten Schriften ist gegen Mal-
thus gerichtet, welcher Kornzölle im Interesse der Unabhän-
gigkeit des Landes vertheidigte. Schon in dieser Schrift ent-
wickelt Ricardo seine ganze Grundrentenlehre, die in den
Sätzen gipfelt: „Die Grundrente ist nie ein neu geschaffenes
Einkommen, sondern nur ein Theil eines schon geschaffenen
Einkommens.“ — „Das Interesse des Grundherrn ist jederzeit
dem Interesse aller andern Stände in der Gesellschaft ent-
gegengesetzt.““ In der That, der Grundherr erscheint bei
Ricardo ebenso als Bedrücker des Capitals wie bei den Social-
demokraten das Capital als Bedrücker der Arbeit; und wie
die Socialdemokraten behaupten, dass eine beständige Tendenz,
den Lohn herabzudrücken namentlich bei Zunahme des all-