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Erstes Buch, Cap. 2.
durch die Uneinlöslichkeit die Noten über das Bedürfniss an
Cireulationsmitteln hinaus zu vermehren und da diese Circu-
Jationsmittel nicht in’s Ausland gehen können, so sinkt ihre
Kaufkraft gegenüber Gold und anderen Waaren — und zwar
genau im Verhältniss zu der Menge, um die sie das Bedürfniss
übersteigen.
Der Werth dieser Auseinandersetzungen bestand in dem
richtigen Nachweis, dass die Noten devalvirt waren, und in
dem Satze, dass die Nichteinlöslichkeit daran Schuld war,
Falsch aber war es, die Devalvirung ausschliesslich von der
Menge der Noten, die ihrerseits als Folge der Restrietion
erscheint, abhängen zu lassen — eine Theorie, mit der es
Ricardo so ernstlich meint, dass er sie in der Schrift gegen
Bosanquet sogar auf verschlechtertes Metallgeld anwendet.
Dies ist falsch, weil nicht alles Geld im Verkehr ist, sondern
zugleich eine wechselnde Menge Geld als Werthaufbewahrungs-
mittel dient; weil die vom Verkehr bedurfte Geldmenge selbst
viel wechselnder ist als Ricardo offenbar annimmt; weil die
anderen Surrogate des Geldes als Wechsel, Checks etc. die
nöthige Geldmenge überhaupt zu einer unbestimmten Grösse
machen; weil bei Banknoten und Papiergeld der Credit des
diese Stellvertreter des Geldes emittirenden Schuldners jeden-
falls unter allen Umständen ein selbständiges Element zur
Bestimmung ihres Werthes bleibt — und weil man zwischen
Entwerthung des Papiers gegenüber Gold und gegenüber den
inländischen Waaren unterscheiden muss. Die ganze Quantitäts-
theorie folgte zunächst aus der der ganzen klassischen National-
Ökonomie eigenthümlichen Opposition gegen merkantilistische
Ueberschätzung der Geldmenge, derzufolge man Zunahme des
Geldes nur als eine für den Gesammtwohlstand gleichgültige
Ursache der Erhöhung aller Waarenpreise betrachtete und
selbst die vorübergehenden Wirkungen dieser Zunahme des
Geldes während des Processes der Zunahme als möglichst ge-
ringfügig hinstellte. Unzweifelhaft entstand die 'Cheorie auch
bei Ricardo als eine aufrichtig gemeinte und scharf entwickelte
Consequenz der antimerkantilistischen Geldlehre. Dennoch