Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

D. Ricardo. 
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in Zusammenhang mit der Discontopolitik ausgegeben werden, 
der grosse Regulator des Bedürfnisses nach Zahlungsmitteln 
zu sein, der Ueberspeculation zu steuern und ausgebrochene 
Krisen zu mildern. Ich weiss nicht, wie Ricardo persönlich 
zu der Bank von England und ihren Directoren stand, aber 
soviel ist jedenfalls sicher, dass alle Späteren, welche in den 
Notenbanken den allgemeinen und ausschliesslichen Sünden- 
bock für die Excesse der ganzen Handelswelt suchen, in 
Ricardo’s Schriften einen mächtigen Stützpunct finden, 
Jedenfalls darf man in der offenbaren Missgunst, mit 
welcher er die Notenbanken behandelt, keine Tendenz, das 
allgemeine Interesse über das Geldinteresse zu setzen, ent- 
decken wollen, da er das exceptionelle, mit dem Staate in 
Verbindung stehende Noteninstitut der ganzen Handelswelt 
gegenüberstellt. Und sein Eifer, den Gewinn der Bank dem 
Staate vorzubehalten, diesst ebensowenig aus’ begeistertem 
Staatsgefühl, wie seine Abneigung gegen Staatsschulden, Klar 
tritt in dem Essay on Funding System hervor, dass Ricardo 
starke ausserordentliche Steuern in Kriegszeiten den Staats- 
schulden vorzieht — weil er in echt manchesterlicher Weise 
von der Auferlegung solcher Opfer Verminderung der Kriege 
erhofft. 
Kurz, tritt Ricardo in diesen Schriften weniger auffällig 
als Vertheidiger eines Classeninteresses auf, als in den Prin- 
ciples und den Schriften über Kornhandel — beherrscht ihn 
hier wirklich oft mehr ein theoretisches Princip als ein prak- 
tisches Interesse, so ist dies Princip doch nur eine einzeln- 
stehende - wirthschaftliche Lehre, kein Glied einer höheren 
Staats- und Gesellschaftsauffassung, und mit seinen Conse- 
quenzen ist die Vertretung der Interessen des, Geldcapitals 
gegenüber der steuerzahlenden Masse doch untrennbar ver- 
bunden, — 
Besonders dankbar müssen wir Mac-Culloch sein, dass 
er in seine Sammlung nicht nur Ricardo’s Parlamentsrede über 
das Ballot, sondern auch die nachgelassene Schrift: „Obser- 
vations on Parliamentary Reform“ aufgenommen hat. Keine 
Schrift zeigt deutlicher als diese, wie Ricardo vom pyolitischen
	        
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