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Erstes Buch, Cap. 2.
Individualismus und dessen praktischer Consequenz, dem Ra-
dicalismus, ergriffen war; wie er alle staatlichen Handlungen
in cynischer Weise lediglich aus Egoismus zu erklären weiss
— und wie er unverblümt alle Vortheile radicaler politischer
Reformen dem (beweglichen) Besitz zu reserviren versteht,
Ricardo ist Fortschrittsmann, weil es noch Mächte im Staate
giebt, die über dem Capital stehen — keineswegs weil er
politische Gleichheit Aller wünscht.
{n der Parlamentsrede über das Ballot verlangt Ricardo
geheime Abstimmung als eine sehr wichtige und bei jedem
Wahlrecht durchzuführende Reform — um den Einfluss der
Grundaristokratie auf die Wähler zu brechen, Er beruft sich
in dieser Rede auf Bentham, der in den Observations noch
deutlicher als Ricardo’s politischer Lehrer auftritt:
„Gute Regierung mag den Interessen der Aristokratie
oder der Monarchen entgegengesetzt sein, da sie dieselben
verhindern kann, in ebenso grossem Maasse Einnahmen, Vor-
theile und Macht zu erringen als dies der Fall sein würde,
wenn die Regierung nicht für das Glück der Vielen ge-
führt wird, sondern sich hauptsächlich auf Beförderung des
Glückes der Wenigen verlegt; aber sie kann nie dem allge-
meinen Glück entgegenwirken.“ — „Die Vorschriften der
Religion, der öffentlichen Meinung und des Gesetzes beruhen
alle auf dem Grundsatz, dass man von den Menschen alle
Versuchung, anders zu handeln, ferne halten muss, um sie
gut zu machen, und der Staat ist als der vollkommenste
anzusehen, in dem alle diese Vorschriften dahin zusammen-
wirken, es zum Interesse aller Menschen zu machen, tugend-
haft zu sein, d. h. ihre Kräfte zur Beförderung des all-
gemeinen Glückes anzuwenden.“
Die gegenwärtige Verfassung erscheint Ricardo als eine
solche, in welcher Krone und Aristokratie in ihrem eigenen Inter-
esse regieren, und nur durch die öffentliche Meinung, d. i. durch
die Furcht vor einem Volksaufstand in Schranken gehalten
werden; da diese Schranke aber unsicher und unregelmässig
wirkt, so sei es besser, das Unterhaus in der Weise zusammen-
zusetzen, dass durch dasselbe das ganze Volk repräsentirt