Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

R. Malthus. 
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an den Malthus’schen Sätzen, wenn sie dieselben richtig 
versteht, nur Unwesentliches durch leichte Einschränkungen 
und Zusätze kritisiren. Anders steht die Sache, wenn wir die 
gesammte Weltauffassung betrachten, von der Malthus be- 
herrscht war; wenn wir die praktischen politischen und socialen 
Zwecke in’s Auge fassen, welchen er diente. Wir werden uns 
dabei hauptsächlich an das dritte und vierte Buch des Essays 
zu halten haben, und dabei mancherlei theoretische Einseitig- 
keiten und praktische Irrthümer nicht leugnen können. Wie 
schon erwähnt, steht Malthus weit über Ricardo, indem er den 
grossen Zusammenhang aller politischen und socialen Fragen 
überhaupt im Auge hat, ja er steht in einer Hinsicht auch 
über Adam Smith, insofern er die ihn leitende Philosophie 
erkennbar in sein Buch verwebt, Aber eben hier sind manche 
Unklarkeiten und Lücken nicht zu verkennen, 
Schon in den ersten Zeilen des ganzen Werks bekennt 
es Malthus als seine Absicht, „die Ursachen, welche bisher 
den Fortschritt der Menschheit zum Glück aufgehalten haben, 
zu ergründen.“ Der utilitarische Gedanke, dass der Ein- 
Auss auf das Glück der menschlichen Gesammtheit der Maass- 
Stab für die Sittlichkeit einer Handlung sei, tritt dann 
später an den verschiedensten Stellen deutlich hervor. Im 
3. Capitel des IV. Buchs stellt sich Malthus ganz einfach auf 
den Standpunet des Utilitariers und sagt: „Ich sehe nicht 
ein, wie Jemand, der das Nützlichkeitsprineip als den grossen 
Maassstab tür moralische Regeln betrachtet, sich der Folgerung 
entziehen kann, dass moralische Enthaltsamkeit oder die Unter- 
lassung des Heirathens, ehe wir eine Familie unterhalten 
können und völlige Keuschheit in dieser Zeit, die genaue Linie 
der Pflicht ist.“ — „Das’ Glück der Gesammtheit ist das 
Resultat des Glücks der Einzelnen nnd muss bei Letzteren 
beginnen.“ 
Freilich wird gleich dazu gesagt, dass eine richtige Be- 
trachtung der göttlichen Offenbarung zu denselben Resultaten 
führe; häufig wird von „Glück und Tugend“ gesprochen; 
ausdrücklich wird betont, dass Glück und Reichthum nicht 
identisch seien, letzterer vielmehr nur eine Quelle des ersteren. 
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