Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 2. 
„Das Glück einer Gesellschaft ist endlich das berechtigte Ziel 
ihres Wohlstandes, ihrer Macht und Volkszahl.“ (B. III, c. 12.) 
Kurz, wenn Malthus die Frage nach dem letzten Grunde 
der von ihm aufgestellten Menschenpflicht aufwirft und dabei 
auf das Wesen und die Ursache moralischer Pflichten über- 
haupt kommt — so laufen bei ihm christlich theologische 
Ideen, die Nützlichkeitslehre und eine Philosophie, welche die 
Tugend und das Sittliche als etwas Selbständiges gegenüber 
dem Nützlichen und gegenüber dem von der christlichen Offen- 
barung Gebotenen behandelt, nebeneinander her. Besonders 
eharakteristisch zeigt dies z, B. folgende Stelle Buch IL. Cap. 2: 
„Es ist eine erfreuliche Bestätigung für die Wahrheit 
und Göttlichkeit der christlichen Religion und ihrer Brauch- 
barkeit für einen vorgeschrittenen Zustand der menschlichen 
Gesellschaft, dass sie unsere Pflichten in Bezug auf Ehe und 
Fortpflanzung in ein anderes Licht stellt als es vorher geschah. 
„Ohne uns auf diesen Gegenstand genauer einzulassen, 
was zu weit führen würde, so wird man doch zugestehen, 
dass, wenn man den Geist von St. Paulus Erklärungen über 
die Ehe auf den jetzigen Zustand der Gesellschaft und die 
bekannte Beschaffenheit unserer Natur anwendet, der natür- 
liche Schluss folgender zu sein scheint: 
„Die Ehe ist recht, wenn sie nicht mit höheren Pflichten 
collidirt, andernfalls ist sie unrecht. ‘Nach den allgemeinen 
Principien der Moralwissenschaft ist der Weg, vom Licht der 
Natur zum Willen Gottes zu gelangen, so zu finden, dass wir 
nach der Tendenz der Handlung, das allgemeine Glück zu 
vermehren oder zu vermindern, fragen‘ (Paley). Es giebt viel- 
leicht wenige Handlungen, die so direct zur Verminderung 
des allgemeinen Glücks beitragen, als Heirath ohne Mittel zur 
Kinderunterhaltung.‘‘ — 
Man sieht, Malthus benutzt die Popularität der Nüzlich- 
keitslehre und nimmt keinen Anstoss an ihr. Er hält sie auf- 
richtig und ehrlich für vereinbar mit strengem biblischen 
Christenthum — und zwar offenbar in der Weise, dass die 
Uebereinstimmung der christlichen Morallehre mit den natür-
	        
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