R. Malthus,
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nicht mit einer abstracten,.. allgemein gültigen Formel, sondern
indem er ein gewissermaassen ideales Ziel hinstellt, und die
Mittel und Wege sucht, wie man sich allmälig diesem Ziele
nähern könne (Buch IV, Cap. 18):
„Man hat allgemein beobachtet, .dass die Mittelclassen
der Gesellschaften am meisten Neigung zu tugendhaften
and fleissigen Gewohnheiten und am meisten Fähigkeit zur
Entwicklung aller Talente besitzen. Aber es ist klar,
dass nicht Alle in der Mitte sein können. Obere und untere
Stände sind der Natur der Dinge nach absolut nöthig, ja
sogar sehr heilsam. Wenn Niemand hoffen könnte, in der
Gesellschaft höher zu steigen, Niemand zu fürchten brauchte,
zu sinken — wenn Fleiss nicht seinen Lohn, Faulheit nicht
ihre Strafe mit sich brächte, so. könnten wir nicht jene
lebendige Thätigkeit zur Verbesserung unserer Lage erwarten,
welche heute die Hauptquelle des öffentlichen Wohls ist.
Allein wenn wir die verschiedenen Staaten Europas betrachten,
entdecken wir beträchtliche Verschiedenheit in dem Ver-
hältniss der höheren, mittleren und unteren Stände, und durch
die Wirkung dieser Verschiedenheiten wird es wahrscheinlich,
dass unsere bestbegründeten Hoffnungen, eine Zunahme des
Glücks der Masse der Menschheit zu erreichen, auf der Aus-
sicht auf eine relative Zunahme der Mittelclassen beruhen.
Und wenn die niederen Volksclassen die Gewohnheit ange-
nommen haben, das Angebot von Arbeit einer stationären
und selbst abnehmenden Nachfrage anzupassen, ohne eine
Zunahme von Elend und Sterblichkeit wie gegenwärtig,
so können wir uns sogar der Hoffnung hingeben, dass der-
einst der Process der Verminderung der menschlichen Arbeit,
welcher in den letzten Jahren so rasch vorgeschritten ist, da-
hin führen wird, dass alle Bedürfnisse der reichsten Gesell-
schaft mit weniger persönlicher Anstrengung befriedigt werden
als heute; dass wenigstens die Zahl Derjenigen, die hart
arbeiten müssen, kleiner wird, wenn auch die Härte der
persönlichen Anstrengung nicht vermindert wird. Werden
auf diese Weise die unteren Classen weniger zahlreich und
lie mittleren zahlreicher. so kann jeder Arbeiter sich eher