Chalmers.
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Nicht ohne Geschick und theilweise sehr richtig weist Chal-
mers nach, dass man das reelle Capital der Nation nicht be-
liebig durch Sparen steigern könne, sondern dass es auf
wirklich nützliche und productive Anlage der Ersparnisse an-
komme — und dass für das wirkliche Glück der Menschen
moralische und intellectuelle Bildung wichtiger sei als Capital-
vermehrung. Man sieht, Chalmers macht einen ernsten An-
zatz, den Mammonsdienst der Nationalökonomie zu hbe-
kämpfen; aber er gelangt doch nicht dazu, eine organisirte
Vertheilung des Nationaleinkommens zu verlangen und prin-
eipiell die gesunde Vertheilung für wichtiger zu erklären als
die einseitige Vermehrung des Reichthums. Er erhebt es
nicht zum Princip, dass der materielle Reichthum bei jedem
Menschen im Dienst idealer Bestrebungen stehen müsse, Die
Hauptsache ist und bleibt, dass moralische Bildung die Ver-
armung, die aus zu grosser Kindermenge folgt, verhindern
solle. Und die Schranke der Capitalvermehrung ist vor Allem
die Productivität des Bodens, d. h. sie wird betont, um die
natürliche Wichtigkeit des Standes der Grundbesitzer gegen-
über dem der Capitalisten hervorzuheben, Die Opposition
gegen Ricardo bleibt parteiisch und ungenügend, Chalmers
schliesst sich der Methode an, eine abgeschlossene Wirthschaft
der ganzen Welt identisch mit der eines Landes zu fingiren
und begeht dabei noch den Fehler, den Getreideimport zu
jgnoriren resp. denselben als nothwendig unbedeutend anzu-
nehmen. Wie Ricardo betrachtet er auch das bestehende
Grundeigenthum als etwas ganz Selbstverständliches nur
ist ihm die Macht der Grundeigenthümer nicht etwas hassens-
würdiges, sondern die natürliche Grundlage politischer Herr-
schaft, Die höheren socialen Pflichten aller Herrschenden
aus dem Christenthum abzuleiten fällt dem Anhänger des
grundbesitzenden Adels nicht ein.
Chalmers verfolgt einfach die Ansichten, durch die Malthus
eine eigenthümliche Stellung unter den classischen National-
ökonomen einnimmt, etwas weiter. In einem praktisch wich-
tigen Punet aber weicht er von Malthus ab und stellt sich
Ricardo näher nämlich in Bezug auf die Kornzölle. Dies muss