Sadler.
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Sadler verwerthet die Bentham’sche Formel im Interesse
der armen Majorität des Volks, aber er führt inconsequenter
Weise sein Christenthum nur in den Kampf gegen das Man-
chesterthum, nicht gegen den individualistischen Radicalismus
überhaupt. Geradezu in naiver Weise eitirt er die Bibel und
Rousseau und benutzt Bentham’s Prinecipien. Ein solcher
Mann war befähigt, einzelne nothwendige und heilsame Reformen
im Interesse der Arbeiter durch die Kraft seiner einseitigen
gefühlsmässigen Ueberzeugung durchzusetzen — den Geist der
Nation grundsätzlich von der Weltanschauung des Individualis-
mus abzulenken vermochte er nicht. Nicht nur weil er un-
endlich weniger geistreich und umfassend gebildet war als
Burke, sondern weil er noch mehr als letzterer sich einer
ıtilitarisch-individualistischen Anschauung gefangen gab.
Blicken wir auf die Nationalökonomen zurück, so ergiebt
sich ein ähnlicher Eindruck wie nach der Betrachtung der
älteren politischen Individualisten: die damals im Aufgang
befindlichen Ideen haben starke Vertreter; die in den Hinter-
grund gedrängten, wenn auch tiefsinnigeren Anschauungen,
müssen sich mit gutgesinnten, aber schwachen Vertheidigern
begnügen.
Wir kehren nun zu dem politischen Individualismus zurück,
am ihn in seiner höchsten Vollendung bei Bentham kennen
zu lernen, dem schon so oft gelegentlich genannten merkwür-
digen Schriftsteller, der zwar nicht ganz nach seiner Lebens-
zeit, aber nach der Zeit seines Wirkens unzweifelhaft der
neueren Zeit angehört. Er formulirt jene politischen Theorien
endgültig vor ihrem Uebergang aus der Studierstube ins
Leben; er vermittelt uns das Verständniss für die Parteibil-
lungen, die der Engländer Radiecalismus nennt.