J. Bentham.
24.9
getragen haben, dass Bentham schliesslich leidenschaftlicher,
bitterer und immer radicaler wurde. Meines Erachtens ist
lie offene Vorliebe für die demokratische Republik, welche in
Bentham’s letzten Werken hervortritt, die natürliche Conse-
Juenz der Principien seiner ersten Schriften. Er musste zu
diesen Consequenzen kommen — wenn er nur logisch seine
Prineipien verfolgte und sie auf grosse Fragen anwendete,
Seine Zurückgezogenheit bewahrte ihn vor Inconsequenz —
orklärt die Entwickelung seiner Ideen allein genügend.
Wenn man sieht, wie Bentham, von dem Rechte der indi-
viduellen Vernunft ausgehend, über alle politischen Verhält-
nisse souverän zu richten begann und mit der demokratischen
Republik endete — so ist es schwer, nicht der Analogie von
David Strauss zu gedenken, welcher mit Bibelkritik beginnend,
mit dem „alten und neuen Glauben“ abschloss. Mit um;
fassenderer Bildung, mit feinerer Sprache hat Strauss
Srössere Fragen behandelt als Bentham. Dennoch ist die
Srösse Aehnlichkeit vorhanden, dass Beide mit kritischen Ge-
danken anfingen, welche sie zunächst im Interesse mässiger
Tendenzen verwendeten und — immer einsamer werdend
Mit umfassender Negation alles Bestehenden endeten. Beide
Wneigennützige, wahrheitsliebende, scharfe Geister, denen
ihre Völker als Bahnbrechern den grössten Dank schulden
Ad doch in ihren vollen Consequenzen nicht zu folgen ver-
Mögen,
Um einen Ueberblick über Bentham’s schriftstellerisches
Wirken zu gewinnen, wird es zunächst nöthig sein, den
Hauptgedanken, das Nützlichkeitsprincip, darzustellen, wie
lieser sich in allen seinen Schriften findet. Weiter dürften
:Üür uns seine speciellen Ideen über Verfassungsfragen und
lber nationalökonomische Verhältnisse von besonderem In-
teresse sein. .
Das Nützlichkeitsprincip tritt gleich in der ersten Schrift:
„Fragment on Government“ als Alles beherrschende Idee
Bentham’s und zwar als ein Axiom hervor. So wenig die
Lehre an sich neu war, ihre einseitige Anwendung durch
Bentham war in England etwas Neues: Sie bedeutete den