Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

J. Bentham. 
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Gesetz, Aber was ist praktisch eine unbedingte Kritik des 
bestehenden Rechts aus Vernunftpostulaten, unter absoluter 
Verwerfung des Gewordenen als solchen, anders als das 
Postulat eines über dem historischen Recht stehenden Natur- 
vechts ?“ 
Wir begegnen in der Vorrede aber nicht nur dem Stand- 
punect der schrankenlosen Kritik der Vernunft, wir begegnen 
auch schon dem Grundaxziom, aus welchem Bentham seine 
Reformpostulate ableitet, und das er in all seinen zahllosen 
folgenden Schriften bis zur äussersten Ermüdung wiederholt, 
Dies Axiom war nicht etwa eine gleichgültige Verzierung von 
Bentham’s Schriften, sondern in der That das A und O seiner 
Sesammten Anschauungswelt, ein einseitiger Satz, in welchen 
er sich mit unleugbarer Bornirtheit, aber ebenso unleugbarer 
Ehrlichkeit hineinlebte, so dass dieser Satz ihn völlig be- 
herrschte, Die Triumphe der Naturwissenschaften lassen ihn, 
Vie so manchen Zeitgenossen und Epigonen, nicht schlummern. 
„Was Entdeckung und Verbesserung in der natürlichen Welt, 
las ist Reform in der moralischen Welt,‘ aber man kann 
noch wirkliche Entdeckungen sogar in der moralischen 
Welt machen: weil die Folgen des fundamentalen Axioms, 
lass das grösste Glück der grössten Zahl der 
Mäassstab ist für Recht und Unrecht, bisher mit so 
wenig Methode und Schärfe entwickelt worden sind. 
Dies also, das Glücks-, oder was identisch damit ist, das 
Nützlichkeitsprineip — denn eine Handlung, welche Glück 
°Yzeugt, ist nützlich — ist das Princip von dem Bentham aus- 
seht. Noch in der Vorrede lesen wir, dass bei Ausgehen von 
einem solchen Princip dieselben Einrichtungen ohne viel 
Modifieation in allen Ländern brauchbar sind, und dass Lust 
und Leid (pleasure and pain) die einzigen Consequenzen eines 
Gesetzes sind, an denen die Menschen interessirt sind. 
In der Schrift selbst lesen wir dann ausser viel scharfer, 
oft silbenstecherischer Kritik Blackstone’s, dass das Nützlich- 
keitsprineip das einzige sei, auf welches sich die Menschen zu 
vereinigen vermögen ; man könnte sich dann auch über einzelne 
Fragen leichter einigen. weil diese aus Fragen der Leiden-
	        
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