Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 3. 
ruft der Regierung zu: Stillgestanden! („be quiet“) und sagt, 
die Industrie verlange von der Regierung nichts Andres, als 
was Diogenes von Alexander verlangte: „Geh mir aus der 
Sonne.“ (Im Manual, Werke Bd. III. 5. 35.) 
Der Gesammtreichthum ist bei Bentham die Summe der 
Einzelreichthümer; der Fortschritt des Reichthums hängt 
von dem Wachsthum des Capitals ab; daher werden die 
Wuchergesetze bekämpft, Freihandel verlangt; dieser wird wie 
bei Adam Smith nicht aus natürlichen Freiheitsrechten be- 
wiesen, sondern durch seine Nützlichkeit gerechtfertigt. 
Bentham ist gegen Entails und Latifundien; in der Steuer- 
frage geht er so weit, die Gerechtigkeit der Steuervertheilung 
gar nicht zu untersuchen, sondern die indirecten Steuern nur 
wegen ihrer Bequemlichkeit vorzuziehen. Belohnungen aller 
Art, die der Staat vertheilt, erscheinen lediglich als Kauf von 
Diensten. Käuflichkeit der Offiziersstellen. wird entschuldigt, 
weil dies noch besser sei als Willkür der Krone; selbst der 
Census der Friedensrichter und der Census beim passiven 
Wahlrecht erscheinen als zulässige Mittel, zu billiger Regie- 
rung zu gelangen. „Die Interessen der Individuen sind die 
einzigen wahren Interessen. Pfleget die Individuen, belästigt 
sie nicht, duldet nie, dass sie belästigt werden und ihr habt 
genug für das Öffentliche Wohl gethan.‘“ (Rationale of 
Reward.) Sicherheit ist Grund. und Zweck der Steuern. 
Alle Kolonien sollen befreit, die stehenden Herren sollen durch 
internationale Verträge herabgesetzt, Streitigkeiten unter 
Völkern durch internationale Schiedsgerichte geschlichtet 
werden. , 
In der That, man meint schon Cobden zu hören. Aber es 
sind die Vorschläge des stillen Gelehrten, der in seinen Princi- 
pien über Völkerrecht einen Plan für ewigen und allgemeinen 
Frieden entwirft, des Mannes, „der nach dem KErdball als 
Herrschaftsgebiet strebt, dessen einzige Waffe die Presse, 
dessen Schauplatz der Intrigue das Cabinet der Menschheit 
ist.“ Und fragt man nach den Gründen dieser Friedensliebe, 
so ist es nicht Humanität oder Widerwille gegen vergossenes 
Menschenblut. sondern wieder meint man, Cobden zu hören,
	        
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