Cobbett.
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Zorn in anderen Kreisen, und Cobbetts Uebertreibungen
wurden mit eben so grossen Uebertreibungen beantwortet.
Eine Schrift von 1826!) behauptet, Cobbett und seine Schüler
seien an den Handelskrisen ete. Schuld, und giebt Cobbett
den wohlmeinenden Rath, er solle den etwaigen Verheissungen
„Seiner höllischen Majestät“ auf eine wichtige Stelle in der
Hölle nicht trauen, da der Teufel keine guten, sondern nur
ausserordentlich heisse Stellen vergeben könne. ;
Nächst der Staatsschuld und dem stehenden Heer war
ein Hauptangriffspunet für Cobbett die Staatskirche.
Die arbeitenden Klassen hatten sich längst der vornehmen
Staatskirche abgewendet und ihr religiöses Bedürfniss wurde
insonderheit durch die Secten befriedigt, in denen auch der
demokratische Geist der Puritaner in abgeschwächten Formen
fortlebte.
Cobbett’s Agitation gegen die Staatskirche war aber
Nicht von strengem puritanischem Geiste erfüllt, sondern
Sie war hauptsächlich hervorgerufen durch Begehrlichkeit
nach dem grossen Vermögen der englischen Staatskirche und
kam zumeist dem Katholicismus zu gute, so dass der Ultra-
Montanismus aus Cobbetts Schriften grossen Gewinn zog. Es
ist dies eine der merkwürdigsten Seiten des merkwürdigen
Mannes, dass er dem auf die gemeinen Leidenschaften der
Massen speculirenden demokratisirenden Ultramontanismus
der neuesten Zeit ein Jeuchtendes Vorbild wurde.
In seiner Schrift „Legacy to Parsons, London 1835“ be-
hauptet Cobbett unter vielfacher Berufung auf seine Refor-
Mationsgeschichte, die Staatskirche sei nicht von Christus eth-
gesetzt, sondern durch Parlamentsacte gegründet, und häuft
die wüthendsten Schmähungen auf Heinrich’s VIIL Blutdurst
und Geldgier und bezeichnet es als eine reine Nützlichkeits-
frage, ob das ganze Kirchengut saecularisirt werden solle.
Unchristliche Lehren kommen nicht vor, vielmehr wird der
Wahre christliche Sinn der Dissenters weihevoll gepriesen und
7) A general account of Cobbetts
dence, by Richard Brash. London 18226.
Conspiracy against public Confi-