Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 4. 
das in Amerika verwirklichte Prineip der Trennung von Kirche 
und Staat ganz im Sinne unserer heutigen Ultramontanen als 
das einzig Richtige warm empfohlen. Der Skandal der Staats- 
kirche rufe eben den Atheismus hervor, England müsse stre- 
ben nach einer „billigen Regierung und einer dem Gesetz un- 
bekannten Religion.“ 
In den Jahren 1824—1826 veröffentlichte Cobbett in 
fortlaufenden Briefen eine Geschichte der protestantischen 
Religion in England und Irland, die (wohl wegen ihrer Brauch- 
barkeit im Interesse des Ultramontanismus) 1828 ins Deutsche 
übersetzt wurde. In dieser Schrift entwickelt Cobbett die 
grösste Leidenschaftlichkeit und Einseitigkeit, indem er im 
Protestantismus die Quelle aller Uebel erkennt und unter 
willkürlichster Entstellung der Thatsachen nicht nur Hein- 
rich VIII als Ungeheuer hinstellt, die Königin Elisabeth mit 
giftigem Spott überschüttet — sondern auch unbedenklich 
Luther als gemeinen, schlechten Charakter schildert. Im Eifer 
den einmal ergriffenen Gedanken zu verfolgen, wird Cobbett 
einfach ein Lobredner und Vertreter des Katholicismus und 
verschmäht hier ganz besonders nicht die sophistischsten Argu- 
mente. Ewig kehrt zu Gunsten des Katholicismus das Argu- 
ment wieder, dass Alfred der Grosse, dass die Schöpfer der 
Magna Charta, kurz, dass alle grossen Engländer, denen das 
Vaterland vor Heinrich VIIL. etwas verdankt, Katholiken ge- 
wesen seien — wobei der Katholicismus seit dem 16. Jahr- 
hundert beständig mit dem Urchristenthum identificirt wird. 
Oft nimmt die Sophistik der Argumente einen komischen 
Charakter an — dennoch waren sie auf Cobbett’s Leser rich- 
tig berechnet: so wenn Cobbett die Behauptung von der geis- 
tigen Superiorität des Protestantismus dadurch widerlegt, dass 
in dem „Allgemeinen historischen, kritischen und bibliographi- 
schen Lexikon“ mehr Namen (katholischer) Franzosen als 
(protestantischer) Engländer vorkommen. 
Fragt man nach den Gründen dieser seltsamen Parteinahme 
für den Katholicismus, so sind diese dieselben wie die leitenden 
Motive bei Cobbett’s gesammter Agitation. Vor Allem waren 
die Katholiken in England eine unterdrückte Minorität und
	        
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