Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

316 
Erstes Buch, Cap. 4. 
„Englische Freiheit ist das, was wir brauchen, nicht 
französische oder amerikanische Freiheit. Es ist die Freiheit: 
für welche unsere Vorfahren kämpften und die sie erlangten. 
Es ist die Freiheit von jeglicher Unterdrückung, sei es durch 
grosse oder kleine Tyrannen“ (August 1807, Selections Bd. II, 
S. 257) — wobei unter kleinen Tyrannen die schon früher 
bekämpften Geldleute verstanden werden, welche bereit sind, 
die Ehre der Nation ihrem Geldinteresse zu opfern. 
Wer wie Cobbett sein ganzes Leben hindurch die Geld- 
händler am meisten hasst und gegen das ungebührliche 
Vebergewicht des Handels, d. h. des internationalen Gross- 
handels, eifert, kann aus einem Tory ein Radicaler werden 
ohne dass dieser Uebergang etwas Gewaltsames und Un- 
natürliches hätte. Cobbett sagte (December 1807) nicht der 
Handel hätte England frei gemacht, sondern die Könige, 
welche sich mit dem Volke gegen den Adel verbündeten, 
hätten dem Volke politische Rechte und KEigenthum ge- 
geben — diese Ansicht genügt, den Uebergang zum Radi- 
calismus nicht als Bruch mit alten Ansichten, sondern als 
Weiterentwicklung erscheinen zu lassen. 
Der alte Conservative zeigt sich auch darin, dass Cobbett 
(ebenfalls schon 1807) gegen jede auch nur scheinbar in- 
humane Armenpolitik eiferte, in vollstem Gegensatz zu Malthus 
reichliche Armenunterstützung verlangte, während er gegen 
jeden Schulzwang war und sogar Lesen und Schreiben als 
Künste von zweifelhaftem Werth für Handarbeiter betrachtete 
(August 1807, Selections Bd. II. S. 289) — eine Meinung, die 
er auch später beibehielt und die ihn ganz charaKteristisch 
von allen aus den liberalen Mittelclassen herausgewachsenen 
Volksfreunden unterscheidet. Cobbett blieb dieser Ansicht 
bis zuletzt trotz seines wachsenden Radicalismus treu; im 
December 1813 bezeichnet er die Kunst des Lesens geradezu 
als ein Unglück für arme Leute und noch im März 1834 war 
er gegen Zwangsschulen. Mit dieser Kigenthümlichkeit hängt 
zusammen, dass er zwar, wie erwähnt, im Lauf der Zeit ein 
eifriger Vertreter der Katholiken wurde, jedoch den Dissen- 
ters und besonders den Methodisten keineswegs zugeneigt war.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.