Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 4.

„Englische Freiheit ist das, was wir brauchen, nicht
französische oder amerikanische Freiheit. Es ist die Freiheit:
für welche unsere Vorfahren kämpften und die sie erlangten.
Es ist die Freiheit von jeglicher Unterdrückung, sei es durch
grosse oder kleine Tyrannen“ (August 1807, Selections Bd. II,
S. 257) — wobei unter kleinen Tyrannen die schon früher
bekämpften Geldleute verstanden werden, welche bereit sind,
die Ehre der Nation ihrem Geldinteresse zu opfern.
Wer wie Cobbett sein ganzes Leben hindurch die Geldhändler
 am meisten hasst und gegen das ungebührliche
Vebergewicht des Handels, d. h. des internationalen Grosshandels,
 eifert, kann aus einem Tory ein Radicaler werden
ohne dass dieser Uebergang etwas Gewaltsames und Unnatürliches
 hätte. Cobbett sagte (December 1807) nicht der
Handel hätte England frei gemacht, sondern die Könige,
welche sich mit dem Volke gegen den Adel verbündeten,
hätten dem Volke politische Rechte und KEigenthum gegeben
 — diese Ansicht genügt, den Uebergang zum Radicalismus
 nicht als Bruch mit alten Ansichten, sondern als
Weiterentwicklung erscheinen zu lassen.
Der alte Conservative zeigt sich auch darin, dass Cobbett
(ebenfalls schon 1807) gegen jede auch nur scheinbar inhumane
 Armenpolitik eiferte, in vollstem Gegensatz zu Malthus
reichliche Armenunterstützung verlangte, während er gegen
jeden Schulzwang war und sogar Lesen und Schreiben als
Künste von zweifelhaftem Werth für Handarbeiter betrachtete
(August 1807, Selections Bd. II. S. 289) — eine Meinung, die
er auch später beibehielt und die ihn ganz charaKteristisch
von allen aus den liberalen Mittelclassen herausgewachsenen
Volksfreunden unterscheidet. Cobbett blieb dieser Ansicht
bis zuletzt trotz seines wachsenden Radicalismus treu; im
December 1813 bezeichnet er die Kunst des Lesens geradezu
als ein Unglück für arme Leute und noch im März 1834 war
er gegen Zwangsschulen. Mit dieser Kigenthümlichkeit hängt
zusammen, dass er zwar, wie erwähnt, im Lauf der Zeit ein
eifriger Vertreter der Katholiken wurde, jedoch den Dissenters
 und besonders den Methodisten keineswegs zugeneigt war.
            
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