Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 4.

Princip. Der Mittelstand ist von dem politisch Erreichten
befriedigt und will den neuen Zustand für sich ausnutzen.
Die Arbeiterclasse hingegen sieht sich durch die schonende
Parlamentsreform enttäuscht, sie agitirt im Chartismus zunächst
politisch weiter, um wirklich allgemeines Wahlrecht durchzusetzen.
 und hat dabei mehr instinctiv die Vorstellung, dass
ein gänzlich reformirtes Parlament dann auch Aenderungen
der socialen Verhältnisse herbeiführen werde, eine Vorstellung,
die nur ganz vereinzelt hie und da socialdemokratische Gedanken
 in unserem Sinne des Wortes hervorbringt. Der Chartismus
 entspricht also dem, was auf dem Festland, in engerem
Sinne als in England, Radicalismus genannt zu werden pflegt.
So früh demnach in England mit der Grossindustrie das
Proletariat entstand, und so sehr der Fabrikarbeiter sich gedrückt
 fühlte — es blieb zunächst bei Ausbrüchen blinder
Wulth, die zur Zerstörung von Maschinen oder Fabriken führte.
Programmgemäss richtete sich die Leidenschaft dieser Classe
nicht gegen das Capital als solches, sondern gegen die bestehende
 Staatsverfassung.
Das noch unentwickelte, erst keimende Classengefühl des
industriellen Proletariats gebrauchte Anfangs zum Ausdruck
seiner Unzufriedenheit eine politische Formel, die es aus dem
Vorkampfe der Mittelelassen entlehnte.
Erst nach und nach rückte es vor zu selbständiger Formulirung
 seiner Wünsche, und hierzu that wohl das Meiste
derjenige, welcher zuerst die sociale Seite der ständischen
Neubildung ganz und gar begriff. Es war Robert Owen, der
die Bestrebungen des Proletariats vom politischen Gebiet ableitete
 und auf rein socialen Boden hinüber führte.
            
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