Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

370 
Erstes Buch, Cap. 5. 
von 1820, Owen wurde aber zu ihrer Gründung mehr ge- 
drängt, als er selbst wünschte. Auch zum Versuch von 
Motherwell mit ungenügenden Mitteln trieben ihn mehr seine 
Anhänger als er sie — und jetzt war er im Berufe des 
Agitators bereits so sehr aufgegangen, dass umständliche 
praktische Gründungen wenig Reiz mehr für ihn hatten. Die 
Arbeitsbörse war einfach ein Depot, in welches Jedermann 
seine Producte bringen sollte, um dafür Noten zu empfangen, 
welche auf den Werth der abgeschätzten in dem Producte 
3steckenden Arbeit lauteten. Die Producte sollten in der Börse 
direet umgetauscht werden und jeder Producent sollte auch 
ohne sofortigen Austausch wenigstens in der Note gleich einen 
Werthrepräsentanten erhalten. 
Die Idee der Werthmessung nach der Productionsarbeit allein 
ist als eine für die gegenwärtigen Zustände geltende Behaup- 
tung unbedingt unwahr, da die einzige concrete Erscheinung, 
die man meinen kann, nämlich die Preise, sich nachweislich 
nicht, auch nicht im Durchschnitt, nach der Hervorbringungs- 
arbeit allein richten. Die Idee tritt aber bei Owen offen als 
Postulat auf!) und als Postulat allein kann die ernste 
Wissenschaft sie betrachten, wenn auch nicht nur Ricardo, 
sondern namentlich Marx und selbst Rodbertus gelegentlich 
das Postulat für die Zukunft als allgemeine Behauptung auf- 
treten lassen, Als Postulat ist die Lehre eine Utopie, weil 
die Abschätzung der qualitativ verschiedenen Arbeiten stets 
willkürlich, die auf ein Product verwendeten Arbeitsmengen 
nie ausscheidbar sein werden. Es ist zugleich eine bedenk- 
liche Utopie, weil ihr die Anschauung zu Grunde liegt, dass 
die gleichmässige Vertheilung der materiellen Genüsse unter 
alle Individuen der einzige Zweck des Staats und der Gesell- 
schaft sei, 
Die gefährliche Utopie wird’ aber zum einfachen Unsinn, 
yenn Jemand die Bestimmung und Vertheilung aller Werthe 
Aconomiques. 
‘ Aehnlich wie später bei Proudhon am Schluss der Contradictions
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.