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Erstes Buch, Cap. 5.
zu gegebener Zeit das einzige und genaue Maass aller Werthe
sei. An vielen Stellen (z. B. S. 581) spricht Thompson es
aus, dass das Ideal die vollständige Vereinigung von Arbeiter
und Capitalist in einer Person, die Aufhebung einer besonderen
Capitalistenclasse sei, worauf der Arbeiter dann wirklich sein
ganzes Product geniessen könne. '
Er will aber nicht, dass dies gewaltsam erreicht werde,
weil solche Gewalt die Freiheit und Sicherheit beeinträchtige
and es nöthig sei, dass Jedermann die Früchte seiner Arbeit
vegen Entgelt nach freiem Vertrag Anderen zur Verfügung
stellen könne.
Diese Tendenz, die Gleichheit nicht ausschliesslich auf
Kosten der Freiheit zur Geltung bringen zu wollen, ist gewiss
richtig. Auch in den Einzelausführungen ‚zeigt sich Thompson
oft ‚erleuchtet. Gut ist z. B. 8. 241 seine Definition von
Capital als „demjenigen Theil der Producte der Arbeit, der,
mag er von dauernder Natur sein oder nicht, zu einem Mittel
des Gewinnmachens werden kann;“ gut seine Auseinander-
setzung S. 165, dass der Kampf zwischen Arbeit und Capital
1m den höchsten Antheil am Gesammtproduct um So mehr zu
Ungunsten des Arbeiters ausschlage, nicht je weniger Capital
da ist, sondern je ungleichmässiger es vertheilt ist.
Aber mit dieser berechtigten Anerkennung der Freiheit
und des Eigenthums verträgt sich nicht der Satz, „dass die
volle ökonomische Gleichheit das grösste Glück der Gesammt-
heit erzeuge“ (S. 381), denn solche Gleichheit ist nur bei Un-
freiheit, d. h. Unmenschlichkeit, möglich. Die” Verbindung
der Tendenz nach grösstmöglicher Gleichheit mit der nach
individueller Freiheit beruht nun bei Thompson auf dem
Wahn, dass die ökonomische Ungleichheit zumeist aus poli-
sischer Unfreiheit erwachse. Durch diesen Wahn unter-
scheidet sich Thompson zu seinem Nachtheil von Owen, den
ar sonst an Scharfsinn vielfach übertrifft. .
8. 172 spricht Thompson aus, dass gewaltsame Be-
kämpfung von überhohem Capitalgewinn ein Uebel sei, und
dass die einfache Aufhebung von Zwangseinrichtungen und