Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

382 
Erstes Buch, Cap. 5. 
zu gegebener Zeit das einzige und genaue Maass aller Werthe 
sei. An vielen Stellen (z. B. S. 581) spricht Thompson es 
aus, dass das Ideal die vollständige Vereinigung von Arbeiter 
und Capitalist in einer Person, die Aufhebung einer besonderen 
Capitalistenclasse sei, worauf der Arbeiter dann wirklich sein 
ganzes Product geniessen könne. ' 
Er will aber nicht, dass dies gewaltsam erreicht werde, 
weil solche Gewalt die Freiheit und Sicherheit beeinträchtige 
and es nöthig sei, dass Jedermann die Früchte seiner Arbeit 
vegen Entgelt nach freiem Vertrag Anderen zur Verfügung 
stellen könne. 
Diese Tendenz, die Gleichheit nicht ausschliesslich auf 
Kosten der Freiheit zur Geltung bringen zu wollen, ist gewiss 
richtig. Auch in den Einzelausführungen ‚zeigt sich Thompson 
oft ‚erleuchtet. Gut ist z. B. 8. 241 seine Definition von 
Capital als „demjenigen Theil der Producte der Arbeit, der, 
mag er von dauernder Natur sein oder nicht, zu einem Mittel 
des Gewinnmachens werden kann;“ gut seine Auseinander- 
setzung S. 165, dass der Kampf zwischen Arbeit und Capital 
1m den höchsten Antheil am Gesammtproduct um So mehr zu 
Ungunsten des Arbeiters ausschlage, nicht je weniger Capital 
da ist, sondern je ungleichmässiger es vertheilt ist. 
Aber mit dieser berechtigten Anerkennung der Freiheit 
und des Eigenthums verträgt sich nicht der Satz, „dass die 
volle ökonomische Gleichheit das grösste Glück der Gesammt- 
heit erzeuge“ (S. 381), denn solche Gleichheit ist nur bei Un- 
freiheit, d. h. Unmenschlichkeit, möglich. Die” Verbindung 
der Tendenz nach grösstmöglicher Gleichheit mit der nach 
individueller Freiheit beruht nun bei Thompson auf dem 
Wahn, dass die ökonomische Ungleichheit zumeist aus poli- 
sischer Unfreiheit erwachse. Durch diesen Wahn unter- 
scheidet sich Thompson zu seinem Nachtheil von Owen, den 
ar sonst an Scharfsinn vielfach übertrifft. . 
8. 172 spricht Thompson aus, dass gewaltsame Be- 
kämpfung von überhohem Capitalgewinn ein Uebel sei, und 
dass die einfache Aufhebung von Zwangseinrichtungen und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.