Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

R. Owen. 
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und praktischer als Owen selbst schildert, wie eigentlich die 
wahren Communitäten organisirt sein sollen '). — 
Doch wenden wir uns von den Schülern zum Meister 
zurück. 
Owen, der nur von Thatsachen auszugehen behauptete 
und die Kirchen bekämpfte, verfiel schliesslich in Spiritismus — 
Aberglaube‘ und aufklärungssüchtige Halbbildung liegen ja 
immer nahe beisammen. Dies machte ihn zum Schlusse noch 
mehr als seine verfehlten Experimente lächerlich. Dennoch 
hat es ihm bis zuletzt an Anerkennung nicht gefehlt, nament- 
lich sein alter Freund Brougham blieb ihm persönlich treu 
ergeben. Man darf nie vergessen, dass er in seinen guten 
Jahren eine überaus energische, zum Schaffen und erfolg- 
1) Combe und Thompson waren Anhänger und Schüler von Owen. 
Es kam aber in dieser gährenden an Problemen und Lösungsversuchen 
Teichen Zeit auch vereinzelt vor, dass weltverbesserungsdurstige Schrift- 
Steller selbständig auf Ideen geriethen, die mit denen von Owen verwandt 
waren. Hierher gehört der wenig bedeutende Autodidakt John Gray, . der 
1831 in Edinburgh ein Buch „The Social System“ als Ueberarbeitung eines 
älteren aber ungedruckt gebliebenen Manuscripts herausgab, 
Gray appellirt nicht agitatorisch an Leidenschaften und ist ferne 
von neidischer Sucht nach roher Gleichmacherei, Aber er ist durch- 
drungen davon, dass das bestehende System des Absatzes und Handels 
absolut schlecht sei, dass die Nachfrage aufhören müsse, das Angebot 
zu beherrschen und jeder Producent einen sofortigen sicheren Markt 
finden müsse. 
Owen’s Pläne, die Gray erst nach Fassung seiner eigenen Ideen 
kennen lernte, erscheinen ihm unpraktisch, obwohl er sich freut, dass noch 
Andere als er gründliche Organisationspläne der ganzen Wirthschaft «uf- 
Stellen, Er bleibt bei seinem Vorschlag, demzufolge alle‘ Production und 
aller Absatz durch eine einzige, nicht in Communitäten zerfallende Orga- 
Nisation zwangsweise geregelt werden soll. Eine gewählte Handelskam- 
Mer, die sich der staatlichen Obrigkeit unbedingt unterwirft und um Po- 
litik und Religion nicht kümmert, soll mit absoluter Machtvollkommen- 
heit alle wirthschaftliche Thätigkeit der Gesellschaft, d. h. jeder Anzahl 
von Menschen, die sich zu einer vernünftigen ’Wirthschaftsweise verbinden, 
bestimmen. 
Das Buch von Gray ist ein Symptom, dass gewisse aus unserer be- 
stehenden Wirthschaftsordnung resultirende Missstände von Einzelnen stark 
SmMpfunden wurden und daher extreme Vorschläge erzeugten. 
He1d, Soc. Gesch. Fngl. 25
	        
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