Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Literatur. 
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Mangel an Besitz und Bildung moralischen und physischen Schaden 
leiden mussten. 
Noch jede grosse Umwälhzung in menschlichen Verhältnissen 
hat ihre Opfer gefordert. Diese Opfer leugnen, heisst die Um- 
wälzung selbst nicht verstehen. Der Fortschritt der Grossindustrie 
hat „Menschenopfer unerhört “ gekostet. Wir können heute 
sagen, dass die Cultur des Alterthums die Sclaverei, das Mittelalter 
die Leibeigenschaft — die neueste Zeit das Proletariat erzeugt, 
resp. gebraucht hat; dass die physischen und moralischen Leiden 
des Proletariats die grössten waren, indem es ‚zwar nicht ärmer 
ist als Sclaven und Hörige waren; aber ihm als einem grossen 
Stande wurde die härteste, d. h. mit wahrem Lebensgenuss uner- 
träglichste Arbeit und die unsicherste Existenz auferlegt. Wir können 
und müssen das zugestehen, indem wir uns zugleich bewusst sind, 
dass diese Leiden weniger lange dauern, weil die Proletarier frei 
blieben und ihnen die Bildung der Zeit zugänglich blieb, sie also 
mit Erfolg nach Verbesserung ihres Looses streben konnten. Es 
sind grosse Missstände — denen aber abgeholfen werden konnte 
und an denen das System der Grossindustrie selbst nicht zu Grunde 
zu gehen braucht. Wir können die grossen Leiden eines Ueber- 
gangsstadiums erkennen, ohne am Fortschritt der Menschheit zu 
verzweifeln. So enthält Ure’s „Philosophie“ einiges Wahre, und 
ist doch in der Hauptsache unbedingt falsch. 
Ure hat auch eine History of Cotton Manufacture geschrieben, 
2 Bde. London 1836. In diesem Buche überwiegen die Ausfüh- 
rungen über Naturgeschichte der Baumwolle, über Geschichte und 
gegenwärtigen Stand der Technik noch mehr. Die Gesinnungen 
sind dieselben wie in der Philosophy. Ure’s grosser Heros ist Ark- 
wright, der mit Newton und Napoleon verglichen wird. Es fehlt 
nicht an Statistik über Production, Preise, Löhne ete. in der 
Baumwollindustrie, wohl aber vollständig an einer eingehenden und 
objektiven Würdigung der grossen socialen Veränderungen „ die 
durch die Grossindustrie eintraten und an einem genauen Nachweis 
der einzelnen Gründe dieser Aenderungen. Wozu auch? Es ist 
ja der Zweck der Menschheit und die Aufgabe unserer Zeit, durch 
technische Fortschritte die Menge der Producte zu steigern. In 
früheren Zeiten „war die Arbeit der Industriellen (artizans) isolirt 
und bestand aus einseitigen Anstrengungen in Folge von unmittel- 
barer Noth. und war jederzeit der Gefahr ausgesetzt durch kriege- 
rische Herren ohne Rücksicht auf Wünsche und Interessen der 
Gesammtheit unterbrochen. oder in eine neue Richtung gedrängt zu 
werden. Mittlerweile aber bereitete die Vorsehung eine‘ grosse 
Revolution im socialen System vor, welche in den jüngsten Tagen 
zur Reife gelangte, indem sie die Menschheit durch eine Reihe
	        
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