Literatur.
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seien elend und unmoralisch — wobei vergessen wird, dass die
rapide wachsenden Grossstädte ihrerseits das Product der Grossin-
dustrie sind. Besonders die Ackerbauarbeiter seien schlimmer daran
als die industriellen — letztere wollten nicht auf das Land zurück.
Taylor gesteht zu, dass Fabriken auf dem Lande besser sind als
in den Städten und dass die Arbeitgeber meist zu wenig von den
Arbeitern wissen. Aber sein allgemeines Heilmittel gegen alle
Uebel ist doch nur Abschaffung der Kornzölle und sein Manchester-
thum zeigt sich überall deutlich, wenn er z. B. triumphirend fol-
gende Aeusserung eines Arbeiters referirt: „Mein Vater fiel bei
Waterloo. Eines Tages war ein kirchliches Dankfest. Der Pfarrer
sagte mir: Wollen Sie nicht in die Kirche gehen und Gott danken
für den grossen Sieg des Vaterlands? Ich sagte: Wofür soll ich
danken —— vielleicht dafür, dass mein Vater fiel?‘ Besonders zeigt
sich das Manchesterthum in dem Eifer gegen. die Zehnstundenbill,
wobei der Hauptgrund ist, dass der Lohn der Kinder zur Unter-
haltung der Familien unentbehrlich sei. Die Frage, woher es
komme, dass trotz enorm gesteigerter Produktivkraft vermehrte An-
Strengung der Arbeiterfamilien zur Gewinnung des Unterhalts nöthig
Ist, wird nicht gestellt.
Gleiche Gesinnungen finden wir in dem späteren Buche des-
selben Verfassers: Faectories und the Factory system, London 1844.
Es ist freilich manches Wahre darin gesagt, so dass die Arbeit der
Fabrikarbeiter selbst nicht das grösste Uebel ist, sondern die Woh-
Nungsverhältnisse in den Grossstädten ete.; dass viele Vertreter der
Zehnstundenbill nur aus Neid und KEifersucht auf die Industrie
handeln, resp. die Arbeiter davon höhere Lölme erhoffen; dass in
der Grossindustrie Fabriken mit guten Verhältnissen vorkommen;
dass short-time bills, die sich nur auf einzelne Arten von Fabriken
beziehen, verfehlt sind. Aber das Lob der nützlichen Wirkungen
der Frauen- und Kinderarbeit ist oft geradezu haarsträubend und
eS fehlt jeder Ansatz das Phänomen der Grossindustrie nach seinem
Banzen Umfang, nach seiner Entstehung und nach seinen ge-
Sammten Wirkungen zu begreifen. Nirgends eine Idee, dass diese
Erscheinung, Wirkung und Ursache zugleich der Auflösung alter
Ordnungen, zu ihrer allseits gedeihlichen Entwicklung selbst neuer
Ordnungen bedarf.
Viel mehr thatsächliches Material und objective Betrachtung
enthält das Buch von J. D. "Tuckett, A History of the Past und
Present State of the Laböuring population London 1846. Dies
Buch enthält, wenn auch ungeordnet, die Geschichte vieler Industrie-
Zweige von der socialen Seite, ausserdem viel Statistik über Pro-
duction und Consumtion, jedoch nicht immer mit genügender Quel-
lenangahe. Te enthält Viel und Vielerlei. und manches Lehrreiche